Engpass für Mineralölprodukte verschärft sich
Die US-Ölindustrie kämpft mit der Zeit

Viele Raffinerien brauchen noch Monate, um am Golf von Mexiko wieder arbeiten zu können.

tom DÜSSELDORF. Nach dem Hurrikan versuchen die amerikanischen Ölfirmen fieberhaft, die Produktion im Golf von Mexiko wieder in Gang zu bringen und die Schäden abzuschätzen. Nach wie vor haben die Unternehmen aber Mühe, ihre Anlagen wieder auf die volle Leistung hochzufahren.

So hat zum Beispiel BP, der größte europäische Ölkonzern, zwar keine schwereren Schäden an seinen großen Tiefwasserplattformen zu beklagen, sondern nur einige kleine, ältere Förderanlagen in Küstennähe verloren, doch ist immer noch nicht klar, wie schwer die Infrastruktur wie zum Beispiel die Pipelines betroffen sind. „Eine abschließende Einschätzung können wir noch nicht vornehmen“, sagte eine Sprecherin. Auch Chevron-Texaco, der zweitgrößte US-Ölmulti, wollte bisher noch keinen Schadensbericht veröffentlichen.

Im Golf von Mexiko stehen mehrere hundert Bohrtürme und zahlreiche Bohrinseln. Dort wird mehr als ein Viertel des amerikanischen Öls und Erdgases gefördert. Die Raffinerien am Golf von Mexiko repräsentieren fast 50 Prozent der US-Gesamtkapazität. Noch am Wochenende war rund ein Drittel der Förderanlagen außer Betrieb. 78 Prozent der Öl- und 57 Prozent der Gasförderung fallen weiter aus.

Nach Einschätzung von JP Morgan müssen die Ölkonzerne vor allem die Kommunikations- und Transportprobleme lösen. Diese seien derzeit das Haupthindernis für die zügige Wiederaufnahme der Arbeit, schreiben die Analysten.

Experten erwarten, dass die Ölförderung und der Transport schon in wenigen Tagen starten könnten. Bereits am Freitag wurde im größten amerikanischen Ölimporthafen südlich von New Orleans erstmals wieder ein Supertanker entladen, und das wichtige Colonial-Pipeline-System hat fast wieder seine volle Leistung erreicht. Völlig unklar bleibt allerdings, wann die betroffenen Raffinerien wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Die US-Energieinformations-Behörde EIA geht davon aus, dass einige der acht Raffinerien am Golf von Mexiko, die durch den Sturm ihre Produktion einstellen mussten, in den kommenden ein bis zwei Wochen wieder anlaufen könnten, während andere möglicherweise mehrere Monate ausfallen dürften.

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