Enteignete Kunst in Ostdeutschland
Adel will Kunst wieder für sich allein haben

Viele ostdeutsche Museen haben ein Problem: Etliche ihrer Ausstellungsstücke gehören alten Adelsgeschlechtern und sind nur aufgrund von Enteignungen öffentlich zugänglich. Nun läuft eine Frist für die Ausstellungen aus.
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LeipzigPorzellan, prunkvolle Möbel, Gemälde: Viele der weltberühmten Schätze in den Dresdner Museen, die jährlich Millionen Besucher anziehen, stammen aus dem Besitz der Wettiner. Seit Jahren verhandelt der Freistaat Sachsen mit dem Adelshaus über die gesetzlich geregelte Rückgabe von enteigneten Kunstgütern. Dabei ist Dresden nur ein besonders prominenter Fall – betroffen sind öffentliche Sammlungen in ganz Ostdeutschland. Nicht ganz zehn Monate bleibt ihnen Zeit, sich mit enteigneten Adelshäusern und Erbengemeinschaften zu einigen – und die Kunstschätze für die Öffentlichkeit zu bewahren.

Denn nach 20 Jahren läuft am 30. November die gesetzliche Schonfrist aus, bis zu der enteignete Besitztümer weiter kostenlos in den Ausstellungen verbleiben durften. Danach können die Eigentümer frei über ihre Kunstschätze verfügen – und sie theoretisch mit dem Lastwagen abholen.

Grundlage ist das Ausgleichsleistungsgesetz von 1994. Es regelt die Rechtsansprüche auf Rückgabe der zwischen 1945 und 1949 enteigneten beweglichen Güter. Zwei Jahrzehnte hatten die öffentlichen Museen Zeit, sich mit den Eigentümern zu einigen. Doch in zahlreichen Fällen sind die Verhandlungen noch immer nicht abgeschlossen.

Mehr als 800 Jahre herrschten die Wettiner als Markgrafen, Kurfürsten und Könige über das Gebiet des heutigen Sachsen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Nachfahren des letzten Sachsenkönigs Friedrich August III. enteignet. Ein großer Teil der angesammelten Kunstwerke kam in staatlichen Besitz. Nach dem Zusammenbruch der DDR forderten die Erben tausende Kunstgüter zurück, darunter Prunkstücke aus dem Zwinger oder der Galerie Alte Meister.

Bereits 1999 verständigten sich der Freistaat und die Wettiner nach langwierigen Verhandlungen auf einen Vergleichsvertrag, der dem Adelshaus mehr als 18.000 Kunstgegenstände zusprach. Rund 12.000 davon kaufte das Land zurück, darunter den Thronsessel von August dem Starken. Außerdem erhielt die Erbengemeinschaft Bargeld in Millionenhöhe. 2011 zahlte Sachsen dem Adelshaus erneut mehrere Millionen als Ausgleich für enteignetes Porzellan. Derzeit laufen weitere Verhandlungen, vor allem „um Bücher“, wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erklärten.

Die meisten Restitutionen laufen stillschweigend ab. Zum Teil wurde das enteignete Vermögen direkt zurückgegeben – und tauchte dann manchmal bei Auktionshäusern wieder auf. „In vielen Fällen kam es zur gütlichen Einigung, aber nicht immer gab es Erfolge“, sagt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder. Viele Museen kauften Kunstschätze auch wieder zurück. Allein die Kulturstiftung unterstützte diese Rückkäufe bislang mit rund 3,3 Millionen Euro.

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