Entführer als Zeuge geladen
Gewaltdrohung gegen Jakobs Entführer verteidigt

Im Prozess um die Folterdrohung gegen den Entführer des Bankierssohnes Jakob von Metzler hat der ehemalige Frankfurter Vize-Polizeichef Wolfgang Daschner sein Vorgehen verteidigt.

HB FRANKFURT. „Es war für mich nicht vorstellbar, die Vollendung eines Mordes an einem entführten Kind unter staatlicher Aufsicht zuzulassen“, sagte Daschner am Donnerstag zum Auftakt des Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht. Er habe das Gefühl gehabt, sich mitschuldig zu machen, wenn er nicht alle Mittel ausschöpfe. Daher habe er einen Kriminalbeamten angewiesen, dem Entführer Magnus Gäfgen Schmerzen anzudrohen. Rückendeckung aus dem Innenministerium habe er sich nicht geholt. Er habe seine vorgesetzte Behörde lediglich über seine Pläne informiert, was dort „zustimmend zur Kenntnis genommen“ worden sei. Den Namen seiner Kontaktperson nannte Daschner, der wegen Verleitung zu schwerer Nötigung und Amtsmissbrauch angeklagt ist, nicht.

Gäfgen, der in dem Prozess als Zeuge geladen ist, hatte Jakob am 27. September 2002 auf dem Heimweg von der Schule entführt und ihn unmittelbar danach in seiner Wohnung erstickt. Trotz stundenlanger Polizei-Verhöre nannte er das Versteck des Kindes erst, als ihm Gewalt angedroht wurde. Der Prozess gegen Gäfgen wäre 2003 fast geplatzt, als das Gericht seine Geständnisse wegen der Androhung für nichtig erklärte. Gäfgen wiederholte seine Aussagen aber und wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Prozess gegen Daschner ist bis Jahresende terminiert.

Daschner sagte, die Polizei sei davon ausgegangen, dass Gäfgen das entführte Kind einfach seinem Schicksal überlassen und seinen Tod abwarten wolle. Der Junge habe seinen Entführer schließlich gekannt und hätte ihn identifizieren können. Am Morgen der Drohung sei außerdem die Frist von vier Tagen beinahe abgelaufen gewesen, die ein Kind unversorgt in der Kälte und ohne Lebensmittel überleben könne. In anderen Entführungsfällen seien die Opfer in Erdlöchern gestorben, ehe Täter die Polizei zu ihnen geführt hätten. Dies habe er vermeiden wollen und hätte im Zweifel seine Drohung unter ärztlicher Aufsicht auch wahr gemacht, betonte Daschner. Er ging in seiner Aussage aber nicht auf eine Erklärung der Staatsanwaltschaft ein, wonach seine Anweisung zum Einsatz unmittelbaren Zwanges unter den ermittelnden Kriminalbeamten auf Kritik gestoßen war.

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