Entführer drohte mit bösem Chef
Opfer fragt Dutroux: "Warum wurde ich nicht getötet?"

Das Dutroux-Opfer Sabine Dardenne stand im Keller ihres Peinigers monatelang Todesängste aus. Am Dienstag sagte die heute 20-Jährige als Zeugin im Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux in Arlon aus, ihr Entführer habe mit einem bösen Chef gedroht, der sie umbringen wolle.

HB ARLON. Mit fester Stimme berichtete die inzwischen 20 Jahre alte Sabine Dardenne dem Geschworenengericht im belgischen Arlon von ihrer drei Monate langen Gefangenschaft im Keller von Dutrouxs Haus. Warum er sie nicht - wie mutmaßlich vier andere Mädchen - getötet habe, fragte Dardenne den Angeklagten. „Ich möchte von ihm wissen - der über meinen schlechten Charakter geklagt hat - warum er mich nicht umgebracht hat“, sagte sie im Gerichtssaal. Dutroux erhob sich für die Antwort in seiner Panzerglaskabine. Er habe sie nie töten wollen, sagte er. „Ich erkenne an, sie missbraucht zu haben und ich stehe zu meiner Verantwortung“. Doch Dardenne ließ dies ebenso wenig gelten wie eine spätere Entschuldigung von Dutrouxs mitangeklagter Ex-Frau Michelle Martin.

Dutroux habe sich als Beschützer ausgegeben, der sie vor seinem Chef fern halte, weil dieser sie angeblich töten wollte, sagte Dardenne weiter. Dutroux habe sie so perfekt getäuscht, dass sie ihm noch bei ihrer Befreiung durch die Polizei im August 1996 gedankt habe. „Ich war verrückt, ihm zu glauben“, sagte sie. Sie habe angenommen, Dutroux habe die Polizei alarmiert. Die damals zwölf Jahre alte Dardenne war gemeinsam mit der nach ihr entführten Laetitia Delhez befreit worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Dutroux neben der Entführung und Vergewaltigung von Sabine Dardenne und Laetitia Delhez den Mord an vier Mädchen vor. Zwei der Getöteten waren gerade acht Jahre alt.

Dardenne war am 28. Mai 1996 entführt worden, als sie mit dem Fahrrad zur Schule fuhr. Während ihrer Gefangenschaft hatte Dutroux sie Briefe an ihre Eltern schreiben lassen, die er jedoch nie abgeschickte. Einige bei der Befreiung der Mädchen gefundene Briefe wurde in der vergangenen Woche in dem Gerichtssaal behandelt. Sie gelten als zentrale Beweisstücke.

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