Enthauptungs-Videos bei Facebook
Nippel: nein, Kopf ab: ja

Facebook erlaubt nun wieder Enthauptungsvideos in seinem Netzwerk: Das Unternehmen begründet das damit, dass Nutzer so ihre Empörung über die Taten ausdrücken könnten. Ist das nötig?
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DüsseldorfStill und leise hat Facebook es seinen Nutzern wieder erlaubt, Videos von Enthauptungen zu zeigen, zu liken und zu teilen. Seit Mai waren diese Videos in dem Netzwerk verboten, nachdem sich tausende Nutzer, Menschenrechtsorganisationen und Psychologen beschwert hatten. Doch nun berichtet die britische Rundfunkanstalt BBC, dass das größte Soziale Netzwerk einen Rückzug vom Rückzug macht - und den Köpfungs-Videos gleichzeitig eine pädagogische Funktion zuspricht.

„Menschen teilen diese Videos, um diese Taten zu verurteilen“, schreibt Facebook in einem Statement. Wenn diese Videos dazu dienen würden, Gewalt zu glorifizieren, werde Facebook sie entfernen. So steht es auch in den Nutzungsbedingungen des Netzwerks. Verboten sind: „Inhalte, die selbstverletzendes Verhalten oder exzessive Gewalt enthalten.“ Da stellt sich die Frage, ob eine Enthauptung nicht unter „exzessive Gewalt“ fällt.

Psychologen verurteilen den Schritt von Facebook: Enthauptungsvideos könnten gerade bei jungen Menschen schwerwiegende, langfristige psychologische Schäden auslösen. Bei Facebook anmelden darf sich jeder, der älter als 13 Jahre alt ist. Die gefährdete Gruppe ist also groß. Zwar sagte Facebook der BBC, dass das Unternehmen gegebenenfalls Inhaltswarnungen vor die Köpf-Videos schalten wolle, doch wird das kaum jemanden daran hindern, dass Video anzuschauen.

Auch der britische Premier David Cameron meldete sich via Twitter und nannte die Aktion von Facebook „unverantwortlich“. Das Unternehmen müsse Eltern diesen Schritt erst einmal erklären können:

In den vergangenen Wochen hatte ein Video für Aufsehen gesorgt, das unter dem Titel „Challenge: Anybody can watch this video??“ (Herausforderung: Schafft jemand es, dieses Video anzuschauen?) hochgeladen wurde und zeigt, wie ein maskierter Mann eine Frau köpft. Gedreht wurde es vermutlich in Mexico. „Das ist furchtbar! Entfernt das Video“, schrieben viele Nutzer. Doch Facebook gab zu Protokoll, dass es solche Videos in Zukunft erlauben werde. Eine Sprecherin sagte: „Facebook ist ein Ort, an dem Nutzer ihre Erfahrungen austauschen können, insbesondere wenn es sich um kontroverse Themen wie Völkerrechtsverletzungen, Terrorismus und andere Gewalttaten handelt.“

Wer Enthauptungsvideos im Netz sucht, wird sie finden, sonderlich schwierig ist das nicht. Doch ist Facebook bislang nicht als Verbreitungsweg für Gewaltvideos bekannt. Kritik muss das Unternehmen auch wegen seiner Nutzungsregeln einstecken: Nutzer wundern sich, dass Bilder von stillenden Müttern entfernt wurden, weil dort eine Brust zu sehen war. Enthauptungen sollten aber erlaubt sein? So schreibt auch Nutzer Hendrik Menz an Facebook: „Eine Enthauptung ist Eurer Meinung nach also weniger schädlich für die Psyche des Menschen, als eine entblößte weibliche Brust. Wie soll man sich noch über irgendwas wundern, das aus diesem vormals erstrebenswerten Land kommt...“

huGO-BildID: 30544442 Jonas Jansen Handelsblatt Online 4 / 2013 Quelle: Handelsblatt Online
Jonas Jansen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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  • In's Gerede kommen um jeden Preis. Warum nicht gleich Snuff-Videos? Da kommt es dann auch nicht mehr drauf an!

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