Entlaufene Exoten
Wenn die Python im Park lauert

Etliche Deutsche halten mittlerweile eine exotische Schlange oder seltene Schildkröten. Doch wenn die Exoten entkommen, können sie zur Gefahr für die Umwelt werden. Tierschützer fordern nun, die Haltung zu verbieten.
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BerlinImmer wieder sorgen in Deutschland entlaufene oder auch ausgesetzte exotische Tiere für Schlagzeilen. 2011 registrierte der Deutsche Tierschutzbund bereits mehr als 40 derartige Fälle. Sandra Giltner, Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Tierschutzbund, geht davon aus, dass die Zahl jedoch weitaus höher ist. „Wir erhalten in der Regel nur von den Fällen Kenntnis, über die in den Medien berichtet wird“, sagte Giltner. 

Meist handele es sich bei den bekannt gewordenen Fällen um entwichene Schlangen. „Über entlaufene oder ausgesetzte Schildkröten oder Leguane berichtet in der Regel niemand“, fügte Giltner hinzu. Sie beobachtet mit Sorge, dass die Haltung exotischer Tiere in Deutschland immer populärer wird. 

Diese Entwicklung bemerken auch die Zollfahnder am Frankfurter Flughafen. Insbesondere während der Sommerferien bringen viele Urlauber legale und illegale Souvenirs wie Reptilien mit nach Frankfurt, wie Zoll-Sprecherin Christine Kolodzeiski sagte. „Was öfter vorkommt, sind Schildkröten“, berichtete die Zoll-Sprecherin. Die seien klein und machten keinen Lärm, und seien damit leichter zu schmuggeln. Sind die Tiere nicht artgeschützt und angemessen verpackt, ist die Einfuhr auch legal. 

Der Deutsche Tierschutzbund ist strikt gegen die Haltung exotischer Tiere in Deutschland und fordert ein Verbot. „Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen“, sagte Giltner. Exotische Tiere, wie beispielsweise Reptilien, könnten in Privathaushalten nicht artgerecht gehalten werden, erläuterte die Expertin. Das führt nach Erkenntnissen Giltners dazu, dass die Tiere litten und oftmals frühzeitig verendeten. 

Oftmals setzen der Expertin zufolge überforderte Halter die Exoten einfach aus. Das könne durchaus gefährlich werden. Immer wieder passiere es, dass Spaziergänger Schnappschildkröten in Tümpeln entdecken. Diese Tiere können laut Giltner blitzschnell zuschnappen und sogar einen Besenstiel durchbeißen. 2005 sorgte beispielsweise eine vermutlich ausgesetzte Schnappschildkröte für Aufsehen, weil das 17 Zentimeter lange Tier einen 15-jährigen Jungen gebissen hatte. 

Ein großes Problem sind Giltner zufolge die sogenannten Reptilienbörsen, auf denen Tiere verkauft werden, die zuvor in ihrem Heimatländern eingefangen wurden. Eine artgerechte Versorgung findet laut Giltner auf den Börsen kaum statt. Die Verkäufer vermittelten kaum Sachkenntnisse und veräußerten selbst gefährliche Tiere. So sei die entwichene giftige Monokelkobra, wegen der 2010 in Mühlheim/Ruhr eine Wohnung komplett auseinandergenommen werden musste, von ihrem 19-jährigen Besitzer auf einer solchen Börse gekauft worden. 

Kaum vermeidbar sind laut Giltner hingegen aufsehenerregende Fälle wie jener der kürzlich in einer Bananenkiste entdeckten Giftspinne in einem Supermarkt im saarländischen Bexbach. „So etwas passiert immer wieder. Diese Tiere werden in den Kisten unabsichtlich ins Land gebracht“, sagte sie. Meist seien die Tiere jedoch bereits verendet, wenn sie in Deutschland einträfen. „Die Kisten werden während des Transports gekühlt. Das überstehen die Spinnen in der Regel nicht“, fügte Giltner hinzu.

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Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Trend zur Exotenhaltung ist ungebrochen. Immer mehr Menschen teilen sich ihren Lebensraum mit Vogelspinnen, Giftschlange, Skorpionen oder Würgeschlangen. Entsprechende Exotenbörsen im Internet und Tierhandlungen machen es möglich, Nachweise sind kaum erforderlich. Exoten und Wildtiere gehören aber keinesfalls in Laienhände. Ihre besonderen Bedürfnisse verlangen ein hohes Maß an Erfahrung seitens des Besitzers und eine absolut adäquate, ihrer Art entsprechende Umgebung. Die ist in einem Privathaushalt meist nicht gegeben.

  • Schade, dass dieser Artikel so einseitig ist und sich
    ausschließlich auf die persönliche Meinung einer Vertreterin des Tierschutzbundes stützt. Die Tatsache, dass viele Reptilien artgerecht gehalten und vermehrt werden, wird ebenso vernachlässigt wie bestehende gesetzliche Bestimmungen, die beispielsweise die Haltung und den Verkauf der genannten Schnappschildkröten mittlerweile verbieten. Der nicht genannte Autor möge sich
    in Zukunft bitte etwas ausgewogener informieren,
    beispielsweise bei den Experten von der Reptilienauf-
    fangstation in München (www.reptilienauffangstation).

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