Entscheidend ist die "innere Überzeugung"
Geschworene beraten über Dutroux-Schuldspruch

Für den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux und seine Mitbeschuldigten neigt sich der Prozeß nun dem Ende entgegen, denn die zwölf Geschworenen haben sich zur Beratung über die Schuldsprüche zurückgezogen.

HB ARLON/BRÜSSEL. Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit müssen die Laienrichter in 243 Einzelfragen über Schuld oder Unschuld des Hauptangeklagten Dutroux und der drei Mitbeschuldigten entscheiden. Dabei dürfen sie jeweils nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten.

Am Morgen hatte der Vorsitzende Richter Stéphane Goux der Juryvorsitzenden zunächst das Original des am Donnerstag vorgelesenen Fragenkatalogs überreicht. Den zuständigen Polizeichef beauftragte er, über den geheimen Charakter der Beratungen zu wachen. Die acht Frauen und vier Männer der Jury dürfen die eigens hergerichteten Räume einer Kaserne bei Arlon erst nach ihrer Entscheidung wieder verlassen. Das Urteil wird nicht vor Dienstag erwartet.

Die Laienrichter müssen die 32 Punkte der Anklageschrift in 243 Einzelpunkten abarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Entführung von sechs Mädchen Mitte der 90er Jahre, von denen vier qualvoll starben. Angeklagt sind auch die Tötung eines Dutroux-Komplizen, Bandenbildung und Drogenhandel. Entscheidend für einen Schuldspruch ist jeweils die „innere Überzeugung“ der Geschworenen von der Tatbeteiligung eines Angeklagten.

Als erwiesen gilt die Schuld, wenn mindestens acht der zwölf Geschworenen sich darüber einig sind. Nur wenn das geheime Votum der Volksjury mit sieben zu fünf Stimmen knapper ausfällt, werfen anschließend auch die drei Berufsrichter des Schwurgerichts ihre Stimme in die Waagschale. Eine Abstimmung mit sechs zu sechs gilt als Freispruch des Beschuldigten im jeweiligen Anklagepunkt. Mit der Hand auf dem Herzen trägt die Vorsitzende der Jury dem Gericht das Ergebnis der Beratungen vor. Erst danach erfahren die Angeklagten von dem Urteil. Eine Berufung dagegen ist nicht möglich. Einziger Anfechtungsgrund wären formale Verfahrensfehler. Über das Strafmaß wird erst in einem weiteren Verfahrenschritt nach dem Schuldspruch entschieden, meist einige Tage später.

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