Entwarnung in Köln

Weltkriegsbombe erfolgreich entschärft

Eine 20 Zentner schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat die Menschen in Köln in Atem gehalten. Tausende mussten ihre Wohnungen verlassen, während die Experten den Blindgänger unschädlich machten.
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Entwarnung in der Domstadt: Nach der größten Evakuierung der Nachkriegsgeschichte in Köln, ist eine 20-Zentner-Fliegerbombe sicher entschärft worden. Quelle: dpa
Bomben-Entschärfung in Köln

Entwarnung in der Domstadt: Nach der größten Evakuierung der Nachkriegsgeschichte in Köln, ist eine 20-Zentner-Fliegerbombe sicher entschärft worden.

(Foto: dpa)

KölnEin besonders großer Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Mittwoch in Köln sicher entschärft worden. Um 15.53 Uhr haben Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienst die am linken Rheinufer gefundene Fliegerbombe unschädlich gemacht, wie die Stadt mitteilte. Zuvor war die größte Evakuierung in der Nachkriegsgeschichte der Domstadt nötig gewesen. Rund 20 000 Menschen mussten in den Stadtteilen Riehl und Mülheim ihre Häuser und Arbeitsstellen verlassen.

Für Stadt, Polizei, Feuerwehr und alle anderen beteiligten Organisationen sei das „eine große logistische Herausforderung“ gewesen, sagte ein Stadtsprecher. Insgesamt waren 800 Einsatzkräfte im Dienst. „Die Evakuierung und Entschärfung sind optimal verlaufen“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters nach der Entwarnung.

Kölner Bombe wurde entschärft

Aufgrund der Größe und Sprengkraft des 20 Zentner schweren Blindgängers wurde das Gebiet in einem Radius von einem Kilometer rund um den Fundort geräumt. Seit dem Morgen wurden Anwohner in den betroffenen Stadtteilen von Mitarbeitern des Ordnungsamtes aufgefordert, ihre Wohnungen zu räumen. „Wir machen insgesamt drei Rundgänge, damit wir sicher sein können, dass niemand mehr im Haus ist“, sagte Heribert Büth vom Ordnungsamt. Bei der ersten Kontrollrunde verließen zwei Bewohner das Sperrgebiets erst, als die Polizei den Kontrolleuren zu Hilfe kam.

Betroffen waren neben einer Jugendherberge und dem höchsten Wohnhaus Deutschlands auch 1100 Bewohner des größten Senioren- und Behindertenzentrums der Stadt. 600 besonders pflegebedürftige Menschen wurden mit 140 Rettungswagen in mehrere Krankenhäuser gefahren, 300 Bewohner mit Bussen in einen extra hergerichteten Bereich der Messehallen gebracht. Dort konnten sie sich bis zum Ende der Entschärfung aufhalten. Einige von ihnen sahen den unfreiwilligen Ausflug als willkommene Abwechslung: „Wir machen uns einen schönen Tag“, sagte die 77-jährige Elfriede Ruthe.

Für die anderen Anwohner der betroffenen Stadtteile hatte die Stadt drei Anlaufstellen eingerichtet. Schulen in dem Evakuierungsgebiet blieben am Mittwoch geschlossen, ebenso der Zoo. „Wir sperren die Tiere in ihre Innengehege, möglichst weit weg von Glasscheiben“, sagte Zoo-Chef Theo Pagel. So sollen sie bei einer möglichen Detonation von Glassplittern geschützt sein.

„Es gibt keine tiefere Zäsur als diesen Tag“
Gedenkstunde im Bundestag
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Zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs veranstaltete der Bundestag eine Gedenkstunde. „Der 8. Mai ist ein Tag der Befreiung gewesen – er war aber kein Tag der deutschen Selbstbefreiung“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert in seiner Eröffnungsrede. „Unsere Gedanken und Respekt gelten denen, die unter unvorstellbaren Verlusten die nationalsozialistische Terrorherrschaft beendet haben, sowohl in den Reihen der westlichen Alliierten als auch auf Seiten der Roten Armee.“

Tiefste Zäsur der deutschen Geschichte
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Neben Zeitzeugen und Botschaftern war höchste Politprominenz zum Gedenken angereist. In der ersten Reihe: Bundesratsvorsitzender Matthias Platzeck, Alt-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Alt-Bundespräsident Horst Köhler, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier (v. l.). Die Gedenkrede hielt der Historiker Heinrich August Winkler: „In der deutschen Geschichte gibt es keine tiefere Zäsur als diesen Tag.“

Hollande am Denkmal de Gaulles
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Der französische Präsident François Hollande besuchte traditionsgemäß das Denkmal seines ehemaligen Amtskollegen Charles de Gaulle, der während des Zweiten Weltkriegs die französische Exilregierung in London führte. Danach ließ sich Hollande über die Champs-Élysées von der Republikanischen Garde zum Grab des Unbekannten Soldaten eskortieren und legte dort einen Kranz nieder. Mit Blick auf die französische Widerstandsbewegung sagte Hollande: „Der Sieg am 8. Mai war kein Sieg einer Nation über eine andere. Es war der Sieg eines Ideals über eine totalitäre Ideologie.“

Hoher Besuch aus den USA
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Den Feierlichkeiten in Paris wohnte auch der US-amerikanische Außenminister John Kerry (3. v. l.) bei. Die offizielle Zeremonie wurde wie jedes Jahr am Pariser Triumphbogen am Ende der Champs-Élysées gefeiert.

Gast aus Fernost
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Hoher Besuch aus Fernost erreicht zum Weltkriegsgedenken den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping (l.) ist extra zur 70-Jahr-Feier des Sieges der Roten Armee über die Wehrmacht angereist und wird verschiedenen Feierlichkeiten in Russland beiwohnen. Dort gilt übrigens erst der 9. Mai als Tag des Kriegsendes – weil die deutsche Kapitulation 1945 nach russischer Zeit erst nach Mitternacht unterzeichnet wurde.

Der König salutiert
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In Belgien salutierte König Philippe während einer Gedenkzeremonie vor dem Grab des Unbekannten Soldaten in Brüssel. Das Land war von 1940 bis zum Ende des Kriegs 1945 von den Nationalsozialisten besetzt.

Gedenken in Israel
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Auch in Israel wurde der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert – unter anderem mit einer Parade in der südisraelischen Stadt Ashdod. An dem Umzug nahmen auch Weltkriegsveteranen teil, die vor mehr als 70 Jahren gegen die Nationalsozialisten gekämpft haben.

Nachdem alle Häuser geräumt waren, wurde das Gebiet noch einmal von einem Hubschrauber überflogen. Die umliegenden Straßen wurden gesperrt, der Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr eingestellt. Schließlich konnten die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die beiden Zünder aus der amerikanischen Bombe lösen.

Die Straßensperrungen wurden nach und nach aufgehoben, die Anwohner konnten in ihre Wohnung zurückkehren. Der Rücktransport der Bewohner des Seniorenzentrums sollte bis in die späten Abendstunden dauern.

  • dpa
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