Epidemie
Die Welt versagt bei Aids-Bekämpfung

Seit einem Vierteljahrhundert wütet die Immunschwächekrankheit AIDS – die Ausbreitung der Plage konnte seitdem nicht eingedämmt werden. Bei dem Versuch verfehlen Uno-Helfer ständig ihre selbst gesetzten Ziele.

GENF. In Genf zieht UNAIDS ein imposantes neues Hauptquartier hoch. Von dem Bau aus will die Anti-Aids-Agentur der Uno den globalen Kampf gegen die Killerseuche fuhren. Doch die UNAIDS-Zentrale symbolisiert das Scheitern der Welt in der Abwehrschlacht gegen die tückische Krankheit. UNAIDS, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Staaten und private medizinische Einrichtungen können auch 25 Jahre nach dem ersten bekannten Aidsfall 1981 die Plage nicht eindämmen – trotz Investitionen von Milliarden von Euros. Und einen Impfstoff gegen den HI-Virus zu finden, bleibt pures Wunschdenken. „Aids gehört heute zu den größten Entwicklungs- und Sicherheitsgefahren der Welt“, gesteht der Direktor von UNAIDS, Peter Piot, anläßlich des traurige Jubiläums ein.

Ab dem heutigen Mittwoch soll ein Anti-Aids-Gipfel der Uno in New York neue Strategien beraten. Erstmals wird auch ein Patient, der an dem HI-Virus leidet, im Plenarsaal der Uno-Vollversammlung den Politikern und Experten ins Gewissen reden. Seit Ausbruch der Seuche vor einem Vierteljahrhundert befiel das HI-Virus 65 Millionen Kinder, Frauen und Männer: Das sind mehr Menschen, als die alte Bundesrepublik Deutschland Einwohner hatte. Rund 25 Millionen der Opfer starben an Aids. Im Jahr 2005 lebten fast 39 Millionen Menschen mit HIV, in diesem Jahr steckten sich rund vier Millionen Menschen neu mit dem Virus an. „Die große Mehrheit der Betroffenen weiß von ihrem Schicksal nichts“, schreiben die UNAIDS-Experten in ihrem neuesten Bericht, den sie am Dienstag publizierten.

Die Seuche befand sich den Uno-Fachleuten zufolge 2005 in allen Regionen der Welt auf dem Vormarsch. In Nordamerika erreichte die Zahl de Infizierten mit 1,3 Millionen Personen einen historischen Höchststand. Besonders rasch schlägt HIV auch in Osteuropa und Zentralasien zu. Brennpunkt aber bleibt das Afrika südlich der Sahara. In dem Armenhaus der Welt schwächt HIV rund 25 Millionen Menschen. Mehrere Millionen neuer HIV-Fälle kommen jährlich hinzu. In Swasiland hat sich laut UNAIDS ein Drittel der Bevölkerung HIV eingefangen. Das Gesundheitspersonal stellte sogar fest, dass 43 Prozent der schwangeren Frauen in Swasiland HIV-positiv sind. Namibia und Simbabwe weisen Infektionraten von um die 20 Prozent auf.

Und in einem der bedeutendsten Staaten südlich der Sahara, Südafrika, leben fast 19 Prozent der Erwachsenen mit Aids. Die ökonomischen und sozialen Folgen sind katastrophal: Die Leistungsfähigkeit der Menschen sinkt, die verkürzte Lebenserwartung lässt die nationale Wirtschaftskraft zusätzlich schrumpfen. In den Gesellschaften machen sich Angst und Apathie breit. Viele Opfer, ausgemergelt und verachtet, fristen ein erbärmliches Dasein. „Armen wird nicht geholfen weil sie arm sind“, erklärt die amerikanische Wissenschaftlerin Helen Lee, die eine Hilfseinrichtung zur Diagnose der Krankheit mitgegründet hat: „Die Industrie kann dort kein Geld erwarten.“

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