Erdbeben in Italien
Regierung finanziert Hilfen mit höherer Benzinsteuer

Nach den Erdstößen in Norditalien leben tausende Menschen in Notunterkünften. Um Hilfen zu finanzieren, erhöht die Regierung nun vorläufig die Benzinsteuer. Indes schätzen Experten mit Schäden über 700 Millionen Euro.
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San Felice sul Panaro/LondonNach den schweren Zerstörungen in Norditalien beschloss die Regierung in Rom ein Paket mit Dringlichkeitsmaßnahmen zugunsten der Erdbebenregion. Dazu zählen eine vorläufige Erhöhung der Benzinsteuer um zwei Cent je Liter zur Finanzierung von Hilfsmaßnahmen und eine Aussetzung des Stabilitätspaktes für die betroffenen Kommunen. Die höhere Benzinsteuer gilt bis zum Jahresende und soll laut Medienberichten 500 Millionen Euro einbringen.

Mit Belastungen von bis zu 700 Millionen Euro müssen Versicherer nach Einschätzung von Experten rechnen. Die auf Naturkatastrophen spezialisierte Risikomodellierungsfirma Eqecat schätzte die Summe am Mittwoch auf 300 bis 700 Millionen Euro. Wegen der Seltenheit derartiger Naturkatastrophen in der Region Emilia Romagna seien nur wenige Häuser sicher genug gebaut worden, hieß es.

Mehr als 20 Menschen kamen bei den Erdstößen ums Leben, die die Geschäfts- und Privathäuser sowie historische Gebäude zerstörten. Anders als im Vorjahr ist die Versicherungsindustrie in diesem Jahr bislang relativ glimpflich davongekommen. 2011 war das teuerste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen - unter anderem wegen des verheerenden Erdbebens in Japan.
Darüber hinaus kündigten die Behörden Konsequenzen an. Die Staatsanwaltschaft von Modena nahm am Mittwoch Ermittlungen dazu auf, warum bei den Beben am Vortag und am 20. Mai so viele Werkshallen einstürzten. Am Mittwoch wurde ein vermisster Arbeiter tot geborgen, die Zahl der Opfer des jüngsten Bebens stieg auf 17 Tote und 350 Verletzte.

"Die nationale Industriepolitik ist, was die Bauten angeht, selbstmörderisch", sagte der leitende Staatsanwalt von Modena, Vito Zincani. Neben zahlreichen Kirchen und anderen historischen Bauten in der Region trafen die beiden Beben vor allem Fabrikgebäude: Allein in Medolla starben vier Arbeiter in den Trümmern einer Fabrik des Medizingeräteherstellers Haemotronic - Feuerwehrleute bargen am Mittwoch den letzten von ihnen.

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Immense Schäden

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  • Qterremoto
    Mensch, Sie haben das überhaupt nicht verstanden. Benzin muss auch der kleine Handwerker zahlen und da er das umlegt, beteiligt er auch die kleinen Leute, die seine Kunden sind. Die Alternative wäre eine Luxussteuer gewesen, ist also völlig irrational. Die Mineralölsteuer ist sowieso nur eine Einnahmequelle, denn die Autobahnen sind privat finanziert und die Land- und Regionalstraßen frei von Ortsumgehungen. Aber keine Panic: Die wichtigen Leute haben alle eine viacard für die Autobahngebühren und raten Sie mal wer die bezahlt. In der Region Mailand werden Millionen in bar in die Mautstellen geworfen. Dafür gibt es keine Quittungen. Niemand wird wissen, wieviel es genau waren, die Videoanlagen sind viel zu anfällig und wer will das alles nachsehen?
    Wetten, dass die "Extrasteuern", wenn überhaupt, nach der Touristensaison wieder abgeschafft werden? Schön ist auch Ihre Idee von der "sozialen Komponente". Die bestünde darin, dass weniger Autos der Leute, die sich das sowieso nicht leisten sollten den Verkehr für den kurzen Sprint mit dem Ferrari zum Meer behindern.
    In dieser Logik konsequent ist, dass mit dem Geld in I sowieso nichts wieder aufgebaut wird, allenfalls das Rathaus, ebenso wie mit Steuern keine funktionierende Müllabfuhr aufgebaut wird und mit Minaralölsteuern keine Straßen.

  • @ Terremoto,
    schon richtig, der Unterschied aber ist dass Benzinsteuer auch von Gebietsfremde bezahlt werden muss, dazu mit sozialer Komponente da Luxusautos mehr verbrauchen als normale PKWs. Am besten wäre es wenn beide Varianten kommen, was ich auch glaube.

  • Besser wäre eine Sondervignette für Luxusautos.
    Benzin muss auch der kleine Handwerker kaufen und wenn er mehr zahlen muss bremst dies die Wirtschaft und erhöht die Kosten allgemein.
    Luxusautos sind meistens Importfahrzeuge die für die Beschäftigung in Italien keine wesentliche Rolle spielen (für die Beschäftigung in Deutschland schon, aber das ist nicht das Problem z.Z.).
    Eine Sondervignette "Terremoto" auf alle Fahrzeuge mit mehr als 1800cm³ wäre schon vernünftiger gewesen.
    Aber das kommt bestimmt beim nächsten "Terremoto"

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