Erdbeben in Spanien
„ Lorca sieht aus wie Beirut im Bürgerkrieg“

Spanien wurde vom schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten getroffen. Waren die Menschen anfangs noch froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein, wächst nun die Kritik an den Behörden. Eine ganze Region liegt in Trümmern.
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MadridEntsetzen, Trauer, Wut: Nach dem schweren Erdbeben mit neun Todesopfern und rund 290 Verletzten standen die Menschen in der südostspanischen Urlaubsregion Murcia am Donnerstag angesichts des Ausmaßes der Verwüstung unter Schock. Allein in der am stärksten getroffenen Stadt Lorca sind nach Angaben der örtlichen Behörden rund 80 Prozent der Gebäude beschädigt, über 20.000 Einwohner verbrachten die Nacht im Freien, immer wieder schreckten sie Nachbeben auf. Die Regierung in Madrid versprach schnelle Hilfe, doch in Murcia wurde auch zunehmend Kritik laut, weil die Gebäude trotz der Gefährdung augenscheinlich nicht erdbebensicher waren.

Die Straßen sind mit Trümmern und Steinbrocken übersät. In den Mauern vieler Häuser tun sich weite Risse auf, einige Fassaden sind ganz eingestürzt. Autos sind von Gebäudeteilen eingedrückt. Die Stadt Lorca bietet einen Tag nach dem Erdbeben im Südosten Spaniens ein Bild der Zerstörung. Die Parks und Plätze gleichen Flüchtlingslagern. Dort campieren Bewohner, die aus Angst um ihre Sicherheit nicht in ihre Wohnungen zurückkehren wollen. Mehr ein Fünftel der Bevölkerung verbrachte die Nacht im Freien.

„Ich kann ihnen nicht garantieren, dass es keine weiteren Beben geben wird“, sagte Bürgermeister Francisco Jódar. „Unsere Stadt sieht aus wie Beirut im Bürgerkrieg.“ Neun Menschen kamen bei dem Beben der Stärke 5,2 ums Leben, mehr als 290 wurden verletzt. Lorca - mit 100.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Region Murcia - wurde nicht zum ersten Mal von Erdstößen heimgesucht. In den Jahren 1674 und 1818 wurde die Stadt schon zwei Mal von Erdbeben zerstört.

„Am Mittwoch haben wir noch Gott gedankt, dass wir überlebt haben. Doch nun stehen wir von den Resten unseres Hauses und wissen nicht mehr weiter“, beklagte ein älteres Ehepaar in Lorca. Das schwerste Erdbeben in Spanien seit 55 Jahren brachte dort mehrere Gebäude komplett zum Einsturz und begrub zahlreiche Autos unter den Trümmern. Auch der Glockenturm der San-Diego-Kirche stürzte in sich zusammen. Die Todesopfer, darunter ein 14-Jähriger sowie zwei Schwangere, starben durch herabfallende Gebäudeteile.

„Die Gefahr von Erdstößen in dieser Gegend ist offensichtlich“, sagte der Geologe Ramón Aragón Rueda der Zeitung „El País“. „Im Untergrund gibt es Verwerfungen mit beträchtlichen seismologischen Aktivitäten.“ Dennoch löste die Katastrophe in Spanien eine gewisse Überraschung aus; denn wirklich schwere Beben sind ungleich seltener als in Italien, Griechenland oder der Türkei.

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  • Profit vor Praevention?
    Wenn selbst ein Krankenhaus geraeumt werden muss wird unbarmherig klar was die Welt antreibt.
    Ausstieg aus dem immer schneller sich drehenden Karusell nicht moeglich?
    Will den niemand ueberleben?
    Ausstieg nicht "vermasseln"?
    So wird schon wieder gequasselt...
    So muessen die Gruenen dann das "Endlager" selbst errichten?!

  • Die Zerstörung, die das Erdbeben in Lorca angerichtet hat mit dem zu vergleichen, wie es in Beirut während und nach dem Bürgerkrieg ausgesehen hat, ist unverhältnismässig und zeugt von medialer Effekthascherei. Nicht zuletzt ist es geschmacklos mit Blick auf die Opfer und den Schaden, den der Bürgerkrieg gefordert hat - einem Bürgerkrieg nicht unähnlich dem, der 60 Jahr zuvor Spanien erschüttert hat. Schade, dass sich Handelsblatt und andere deutsche Medien davon nicht abgrenzen und keine Verantwortung im Umgang mit Informationen an den Tag legen.

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