Erdbebenopfer auf Java
„Unser Leben ist doch etwas wert“

Nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Java warten hunderttausende Menschen verzweifelt auf Hilfe. Mehr als 3 800 Menschen riss das Beben am Samstagmorgen in den Tod, unzählige wurden verletzt. Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden, Kleidung und Essen. Die Furcht vor Nachbeben löste vielerorts Panik aus.

HB BANTUL. Am schlimmsten von dem Beben betroffen war die Stadt Bantul. Allein dort kamen mindestens 2 400 Menschen ums Leben, vier Fünftel aller Gebäude wurden zerstört. Das Beben der Stärke 6,3 überraschte viele Menschen am frühen Samstagmorgen im Schlaf. Sein Epizentrum lag knapp 40 Kilometer südlich von Yogyakarta im Indischen Ozean.

Rund 450 Nachbeben bis zu einer Stärke von 5,2 erschütterten die Gegend, in der auch der Vulkan Merapi liegt, dessen Ausbruch seit Wochen befürchtet wird. Die Erdstöße könnten zu einer stärkeren Eruption führen, warnte das Ministerium für Energie und Bergbau. Kurz nach dem ersten Beben schleuderte der Merapi eine Wolke aus heißen Gasen und Asche rund dreieinhalb Kilometer hoch.

Aus Furcht vor Nachbeben verbrachten tausende Menschen die Nacht zum Sonntag im Freien. Strom- und Telefonverbindungen waren unterbrochen. Überlebende suchten in den Trümmern ihrer Holz- und Ziegelhäuser nach Kleidern, Essen und Wertgegenständen. „Uns fehlt alles“, sagte ein 63-jähriger Bewohner. Es gebe weder Wasser noch Nahrung oder Kleidung. „Wir sind zwar arme Leute, aber unser Leben ist noch etwas wert.“

Ärzte und Pflegepersonal kamen mit der Versorgung der Verletzten kaum nach. Auf dem Parkplatz und den Gängen eines Krankenhauses in Yogyakarta fächelten Angehörige den Patienten Luft zu. Der Fußboden war übersät mit dreckigen Verbänden und Verpackungen. „Wir haben viel zu viele Patienten, und es kommen immer neue“, sagte ein Arzt am Sonntag. Bislang seien 2 000 Menschen eingeliefert worden. Insbesondere Chirurgen würden benötigt, sagte ein anderer Mediziner. Es gebe zahlreiche Schwerverletzte.

Zahlreiche Staaten und Hilfsorganisationen boten Indonesien Unterstützung an. Die Bundesregierung stellt eine halbe Million Euro für Soforthilfe bereit. Wie das Auswärtige Amt am Sonntag mitteilte, sollen mit dem Geld Projekte deutscher Hilfsorganisationen in Zusammenarbeit mit indonesischen Partnern unterstützt werden. Finanziert werden soll unter anderem der Betrieb einer mobilen Wasseraufbereitungsanlage des Deutschen Roten Kreuzes, mit der über 20 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden können.

Die Europäische Union sagte drei Mill. Euro zu. Weitere Hilfsangebote kamen aus vielen europäischen Hauptstädten sowie aus den USA, Australien, China und Japan. Indonesiens Nachbarländer entsandten Ärzte und Helfer. Das Welternährungsprogramm (WFP) schickte ein Flugzeug mit Medikamenten nach Indonesien. Auch Lebensmittel wurden ins Katastrophengebiet gebracht.

Die Erdstöße beschädigten nach Angaben der Regierung die Landebahn des Flughafens von Yogyakarta, der vorübergehend geschlossen wurde. Zerstörte Straßen und Brücken behinderten die Rettungsarbeiten und den Transport Verletzer. Auch deshalb wurde damit gerechnet, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Nach Angaben von Rettungskräften kamen mindestens 3 875 Menschen ums Leben. Sozialminister Direvan sprach am Sonntag zunächst von 4 290 Toten, nahm diese Zahl später aber wieder zurück. Unter den Opfern befindet sich nach vorläufigen Erkenntnissen lediglich ein Ausländer, ein Niederländer.

Bei dem Erdbeben wurde auch die Tempelanlage von Prambanan schwer beschädigt. Der Tempel aus dem 9. Jahrhundert zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO und wird jährlich von rund einer Million Touristen besucht. Der genaue Schaden lasse sich erst in mehreren Monaten beziffern, erklärte die Archäologie-Behörde in Yogyakarta. Die Anlage bleibe bis auf weiteres geschlossen.

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