Erdrutsche in Südkorea
Stadtplaner im Visier der Anschuldigungen

Nach den schweren Erdrutschen in Südkorea geraten nun viele Stadtplaner unter Druck: Bauprojekte an Hängen könnten die Schlammlawinen begünstigt haben. Der Schlamm könnte zudem eine tödliche Fracht transportieren.
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SeoulAn den tödlichen Überschwemmungen nach dem heftigen Regen in Südkorea tragen offenbar die Stadtplaner eine Mitverantwortung. „Der Himmel allein ist für die Desaster nicht verantwortlich, eine rücksichtslose Stadtentwicklung hat es noch schlimmer gemacht“, schrieb die Zeitung „Joongang Ilbo“ am Freitag. Experten und Journalisten warfen den Behörden in Seoul vor, an Bergen in der Nähe von Wohngegenden im Süden der Hauptstadt Parks und Wanderstrecken angelegt zu haben. Dadurch habe der Boden seine natürliche Kraft, Regenwasser aufzunehmen, verloren. Künstlich aufgestaute Seen aus einst natürlichen Wasserläufen hätten ebenso zu der Katastrophe beigetragen.

Fachleute hätten seit langem gewarnt, dass die ihrer Ansicht nach fehlgeleitete Stadtplanung zu Erdrutschen führen könnte, schrieb die „Joongang Ilbo“. „Die Behörden haben jedoch auf taub geschaltet.“ Durch Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen infolge von verheerenden Regenfällen waren in den vergangenen Tagen mindestens 59 Menschen in Südkorea getötet worden.

Die Schlammlawinen könnten zudem eine tödliche Fracht transportieren. So warnten die Streitkräfte des Landes vor einer weiteren Gefahr durch an die Oberfläche geratene Landminen gewarnt. Tausende Rettungskräfte waren im Einsatz, um mögliche Überlebende zu finden. Besonderes Augenmerk des Militärs galt einem Berg in der Hauptstadt Seoul, an dem es am Mittwoch zu einem schweren Erdrutsch gekommen war. Soldaten suchten mit Metalldetektoren nach Landminen, die dort in den 1960er Jahren als Absicherung für eine Luftwaffenbasis platziert wurden.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, zehn Minen könnten vom Berg Wumyeon hinuntergerutscht sein. Die Streitkräfte gruben viele der Minen auf dem Berg zwischen 1999 und 2006 aus und entschärften sie, zehn davon wurden aber bis heute nicht gefunden.

In Südkorea gehen seit Anfang der Woche die heftigsten Regenfälle seit Jahresbeginn nieder. Am Donnerstag ließ der Regen etwas nach, für den Freitag sind aber erneut schwere Regenfälle vorhergesagt. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörden wurden mehr als 4900 Menschen obdachlos. Rund 1.380 Häuser sind überflutet, landesweit haben mehr als 125.000 Gebäude keinen Strom.

Auch in Nordkorea kam es nach Angaben von Staatsmedien zu Zerstörungen durch schwere Regenfälle. Tausende Häuser und hunderte Industriebetriebe, Schulen und öffentliche Gebäude seien zerstört worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Durch Abholzung und ein schlechtes Abwassersystem ist Nordkorea besonders anfällig für Schäden durch Überschwemmungen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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