Erfolg und Charakter
Das Churchill-Prinzip

Der britische Premier Winston Churchill zeichnete sich durch Tatkraft, Ausdauer und Haltung aus – wenn er auch im Umgang nicht unproblematisch war. Was der Mann jedoch besaß, war Charakter. Wie Schweizer Psychologen den Zusammenhang von Charakterstärken und Arbeitszufriedenheit untersuchen.

BERLIN. Dieser Tage erscheint ein Buch, das dem „Churchill-Prinzip“ nachspürt: Autor Helge Hesse will herausfinden, wie sehr Churchills Persönlichkeit zu seinem Erfolgskurs beigetragen hat.

Die längst durch „Soft Skills“ (Schüsselqualifikationen) abgelösten Begriffe Charakter und Persönlichkeit erfahren eine Renaissance. Auch ein großes interdisziplinäres Symposion im Potsdamer Einsteinforum befasste sich jüngst mit „The Future of Character“.

Was weniger bekannt ist: Die Diskussionen über Charakter und Tugenden haben eine Entsprechung im Forschungsgebiet der „Positiven Psychologie“. Die noch junge Wissenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Stärken und Ressourcen von Menschen zu fördern und in empirischen Forschungen nachzuweisen, wie der Charakter ein zufriedenes und erfolgreiches Leben bedingt.

Am Psychologischen Institut der Universität Zürich befindet sich eines der Zentren der „Positiven Psychologie“ in Europa. Eine neue Studie innerhalb der Fachrichtung „Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik“ versucht ab Oktober, erstmals einen kausalen Zusammenhang zwischen bestimmten Charakterstärken und der Lebens- und Arbeitszufriedenheit herzustellen. Was hat es für konkrete Auswirkungen, wenn ich meine Charakterstärken Kreativität oder Tatkraft trainiere? Werde ich wirklich zufriedener? 300 Probanden werden bis Mai 2008 begleitet; das „Zürcher Stärkenprogramm“ ist das erste Programm dieser Größenordnung im deutschsprachigen Raum.

„Wir können heute mit empirischen Methoden nachweisen, dass bestimmte Charakterstärken wesentlich dazu beitragen, dass Menschen mit ihrem Leben, aber auch mit ihrer Arbeit, mit den Arbeitsbedingungen und ihrem -ertrag zufrieden sind“, macht der Leiter des Instituts, Willibald Ruch, deutlich. Doch nicht jede Charakterstärke trage gleichermaßen zum gelungenen Leben bei. Die Schweizer wollen sich jetzt mehr auf den Zusammenhang zwischen Berufswahl und Charakter konzentrieren. In einer noch unveröffentlichten Studie, bei der die Charaktereigenschaften von 300 Schweizern – Führungskräften und ihren Mitarbeitern – untersucht wurde, stellte sich heraus, dass sich die Chefs vor allem durch die Stärken Führungsvermögen, Tapferkeit und Urteilsvermögen, aber auch Neugier, Weisheit, Ausdauer, Authentizität, Enthusiasmus und soziale Intelligenz von ihren Mitarbeitern unterscheiden.

Der „Positiven Psychologie“ liegt ein Menschenbild zugrunde, das auch die philosophischen Anleitungen zur Lebenskunst von Marc Aurel, Seneca oder Epikur bestimmt, die heute etwa von dem Philosophen Wilhelm Schmid auf die Moderne übertragen werden. Die antike Philosophie stand innerhalb der „Positiven Psychologie“ Pate für die Entwicklung des Konzepts der drei Lebensstile: Dem amerikanischen Forscher Ed Diener gelang es, empirisch nachzuweisen, dass Menschen am zufriedensten sind, wenn sie die Bereiche „engaged life“ (Verwirklichung des eigenen Potenzials), „meaningful life“ (Sinnsuche, Teil eines Ganzen sein) und „pleasant life“ (Vergnügen) sinnvoll kultivieren.

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