Erfolgsrezepte eines Schlagerstars
Das Geschäftsmodell Helene Fischer

Neun Millionen Alben, ausverkaufte Konzerte, hoch dotierte Werbeverträge: Wie Helene Fischer von ihrem Management zur Millionenmarke aufgebaut wurde. Ein Blick auf die Erfolgsgeheimnisse einer singenden Geldmaschine.
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DüsseldorfSeit kurz nach halb acht sitzen die beiden schon auf ihren Plätzen, sie sind unter den ersten Gästen in der Halle. Etwas ganz Besonderes wollte sich das Rentnerpärchen aus Frechen bei Köln zu seinem Hochzeitstag gönnen.

Vor einem Jahr schon hatten sie sich die Karten gekauft, jetzt, an diesem Novemberabend um kurz nach 20 Uhr, ist es endlich so weit: Es darf geschunkelt werden. „Und morgen früh küss ich dich wach und wünsch mir nur diesen Tag“, trällert Helene Fischer in ihr goldenes, mit Kristallen besetztes Mikrofon. Und wie auf Kommando hakt sich das rüstige Pärchen unter, wiegt sich von links nach rechts, klatscht und singt begeistert mit. Und verschmilzt, im Takt mit allen anderen Fans, zu einer großen, schunkelnden Masse. Schmachtet sie kollektiv an, die Sängerin auf der Bühne. Ganz schön gemütlich, die Helene.

Ein paar Schlager und ein Pop-Medley später steht dieselbe Sängerin in einer langen, schwarzen Pailletten-Robe auf der Bühne. Singt über ihre innere Leere, aus der sie aufgeweckt werden will. Mit der gleichen Inbrunst, mit der sie zuvor ihren Liebsten beschwor, sich mehr Zeit für sie zu nehmen, dröhnt sie nun ihre Version der düsteren Metal-Nummer „Bring me to life“ der Gothik-Band Evanescense ins Mikro. Ganz schön verrucht, die Helene.„Als ich Helene Fischer zum ersten Mal im Fernsehen sah, konnte ich nicht mehr wegschalten“, sagt Bauingenieur Thomas aus Reihe sechs. „Dieser Gesang, diese Ausstrahlung, diese Vielseitigkeit.“

40 Minuten Pause und einen weiteren Outfitwechsel später liegt Helene Fischer rücklings auf der Bühne und rekelt sich. „I“ singt sie, ihre Hüfte hebt sich. „Love“ singt sie, ihre Hüfte senkt sich. „Rock’n’Roll“ – ihre Hüfte hebt sich wieder. Sie trägt schwarze Lederhosen, derbe Bikerboots und ein mit Flammen verziertes Oberteil. Die drei jungen Niederländer aus Reihe vier springen auf, applaudieren ekstatisch im Takt von Fischers Interpretation des Rock-Klassikers. Immer wieder nicken sie sich anerkennend zu.

Egal, ob Schüler oder Rentner, Mann oder Frau, Schunkelfreund oder Rockfan: Alle lieben Helene Fischer. 14.000 Menschen strömen an diesem trüben Novemberabend in die Kölner Lanxess Arena, um ihre Helene zu erleben – beim Singen und Tanzen, Räkeln und Schmachten. Die Karten waren nach kurzer Zeit ausverkauft, trotz stattlicher Preise von durchschnittlich 60 Euro pro Stück. Mehr muss man auch für Konzerte von Deep Purple oder Bryan Ferry nicht berappen. Die 30-Jährige hat es geschafft – vom Schlagermäuschen zum Superstar.

Weltweit hat Helene Fischer neun Millionen Tonträger verkauft. In den letzten beiden Jahren war sie hierzulande der am häufigsten über Google gesuchte Star. Ihre Fans können sich ein Fischer-Parfüm auf die Haut sprühen oder in ihrem eigenen Magazin blättern.

Fischer moderiert eine Show, die ihren Namen trägt, spielte eine Reiseleiterin auf dem Traumschiff und ergatterte eine Rolle im TV-Heiligtum „Tatort“. „Durch Helene Fischer ist der Schlager wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Musikwissenschaftler Martin Lücke, der ein Buch über den Schlager geschrieben hat. „Die Sängerin ist extrem sympathisch, sexy und modern – ein Fräulein Fehlerfrei.“

Kommentare zu " Erfolgsrezepte eines Schlagerstars: Das Geschäftsmodell Helene Fischer"

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  • schon der Bericht ist ja in seiner subversiven Art ein weiterer Beitrag zum, m.E. weitgehend neidbedingtem, Helene-Fischer-Bashing.

    Daß aber dann, dem Gusto des Berichtsverfassers folgend, noch ein Kommentar zugelassen wird, der einen nicht unbeträchtlichen Teil der Handelsblattleser definitv beleidigt, ist schon ein Stück aus dem Tollhaus...

    Und, Herr Freundensprung, Freiheit ist auch die Freiheit Andersdenkender - und deshalb bezeichne ich die Musik, die Sie gerne hören, auch nicht als unmöglich, stupide und primitiv......

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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