Erholung vom "Big Apple" in Roosevelt Island
Die Ruhe vor dem Knattern

Wer sich von Manhattan erholen will, kann über „Roosevelt Island“ staunen, Jackson Pollocks Besessenheit im „Met“ erleben oder im Flugschiff auf den Hudson knallen.

Allenfalls einige Fitzelchen Papier kratzt Juan vor Blackwell’s Lighthouse zusammen. Sie mögen über den East River zu dem kleinen Leuchtturm hier herübergewirbelt sein. Vielleicht sind es auch Hinterlassenschaften der Pokerrunde dort unter den Platanen.

Weil also Straßenkehrer Juan, weithin erkennbar am orange T-Shirt, kaum etwas zu fegen hat an diesem Freitagmorgen, ist Zeit für einen Schwatz und ein paar Tipps für Roosevelt Island, das New Yorker Inselchen vor Manhattan.

Unbedingt sei eine Besichtigung der südlichen Inselspitze ratsam, sagt Juan, dort hinten also jenseits der Queensboro Bridge. Der Weg von Nord nach Süd ist schnell gegangen – Roosevelt Island umfasst 40 Hektar, ist knapp drei Kilometer lang und nur 225 Meter breit.

Unten können wir vor den Resten des „Smallpox Hospitals“ erschaudern, der einzigen New Yorker Sehenswürdigkeit, die eine Bauruine ist. Hier starben Tausende Mitte des 19. Jahrhunderts in Quarantäne, als die Pocken wüteten.

Erbaut wurde das Hospital von Gefangenen, die auf der Insel inhaftiert waren. 1935 wurde der Knast geschlossen und der letzte Häftling von der Insel verlegt, die damals noch „Blackwell Island“ hieß. Legendäre Gangster waren hier weggesperrt, darunter selbst ernannte „Könige von Queens“. Sogar die Filmdiva Mae West hatte hier zehn Tage lang eingesessen, wegen ungebührlicher Filmaufnahmen. Kein Wunder, bei Sätzen wie: „Ist das eine Pistole in ihrer Hosentasche - oder freuen Sie sich nur, mich zu sehen?“

Das Inselchen ist dem umtriebig-mondänen Manhattan vorgelagert und liegt auf der Höhe des Central Parks. Einen Steinwurf nach Osten entfernt sind die Fabriken und Kraftwerke von Queens, einem unprätentiösen Stadtteil.

Roosevelt Island ist weder das eine noch das andere. Auf dem autofreien Inselchen, so scheint’s, gibt es heute mehr Parkbänke als Erholungssuchende, mehr Abfalleimer als Abfälle, mehr Zeit als Geld und mehr Pläne als Realisationen.

Gigantisches wird immer mal wieder auf „Roosevelt Island“ geplant, stadtübliche Wolkenkratzer etwa oder Super-Luxus-Hotels mit exklusivstem Pipapo – aber am Ende zucken die Investoren zurück.

Seite 1:

Die Ruhe vor dem Knattern

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%