Erinnerung an Hilfe nach dem Krieg
2 500 Boote formen Brücke über den Bodensee

Mit einer gigantischen „schwimmenden Brücke“ über den Bodensee haben Deutsche, Österreicher und Schweizer an die Hilfe der Eidgenossen für Nachkriegskinder vor 60 Jahren erinnert.

dpa FRIEDRICHSHAFEN/ROMANSHORN. Für den Brückenschlag reihten sich am Sonntag zwischen Friedrichshafen und dem schweizerischen Romanshorn auf elf Kilometern Länge rund 2 500 Schiffe aller Art vom Passagierdampfer bis zum Tretboot auf. „Das war die größte Ansammlung von Wasserfahrzeugen in einer Formation, die der Bodensee je gesehen hat“, sagte Heinz Unglert von der Wasserschutzpolizei.

1946/47 hatten Schweizer Familien tausende hungernde und kranke Kinder aus dem benachbarten Vorarlberg sowie aus der deutschen Bodensee-Region und aus Oberschwaben für einen Tag eingeladen.

Initiator des Großereignisses bei Bilderbuchwetter und glasklarer Alpensicht mit bunten Flaggen, Musikkapellen und Hafenfesten in beiden Städten war der Verein „Schweizer Kinder“, in dem sich die inzwischen Erwachsenen organisiert haben. Sie helfen heute anderen Kindern in Not. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Hildegard Nagler. Die Redakteurin der „Schwäbischen Zeitung“ hat die Hilfsaktion dokumentiert und viele „Schweizer Kinder“ wieder mit ihren Gasteltern zusammengebracht. Auch am Sonntag waren herzzerreißende Szenen des Wiedersehens zu beobachten.

Zum Dank an die Nachbarn formierte sich in der Seemitte ein überdimensionales Schweizer Kreuz aus vier Schiffen. Im Zentrum schwamm das Flugboot „Do 24“, gesteuert von Iren Dornier, dem Enkel des legendären Luftfahrtpioniers Claude Dornier. Aus der Luft konnten Passagiere an Bord des Zeppelins oder dem Flugzeug-Oldtimer „Ju-52“ die gigantische Schiffsbrücke betrachten. An Land verfolgten Tausende das bunte Schauspiel - in Friedrichshafen war der Hafen schwarz vor Menschen.

Mit von der Partie war der Schweizer Passagierdampfer „Thurgau„, mit dem die Kinder einst über den See schipperten. Für viele der oft unterernährten und traumatisierten Kinder aus den zerbombten Städten war der Ausflug ein Zeichen der Hoffnung. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sprach von einem „Akt der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft der Schweizer Nachbarn“.

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