Ermittlungen gegen acht Personen
Baumängel brachten Reichenhaller Eishalle zum Einsturz

Katastrophale Mängel bei Planung, Bau und Wartung haben den Einsturz der Eishalle von Bad Reichenhall mit 15 Toten verursacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen acht Personen, die für Planung und Bau sowie für Überwachung und Unterhalt verantwortlich waren.

HB TRAUNSTEIN. Zu diesem Ergebnis kommen die von der Staatsanwaltschaft Traunstein beauftragten Gutachter, wie Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer am Donnerstag mitteilte. Der Leim in der Holzdachkonstruktion war massiv geschädigt, die Dachträger waren zu hoch und die Statik falsch berechnet. Die starke Schneelast war nur der Auslöser, nicht die Ursache für den Einsturz.

Bei dem Unglück waren am 2. Januar 15 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwölf Kinder und Jugendliche. 34 weitere Personen wurden verletzt, 18 davon schwer. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung wurden Ermittlungen gegen acht Personen eingeleitet, die für Planung und Bau sowie für Überwachung und Unterhalt verantwortlich waren.

Den Gutachtern der Technischen Universität München und des TÜV Süd zufolge liegt eine wesentliche Ursache darin, dass der Leim, mit dem die Holzdachkonstruktion zusammengeklebt war, durch die Feuchtigkeit in der Halle massiv geschädigt war. Zum Teil sei der Kleber so verschlissen gewesen, „dass er bis in eine Tiefe von fünf Zentimeter bis acht Zentimeter keine Klebewirkung mehr hatte“. Außerdem sei der falsche Klebstoff verwendet worden, der weder ausreichend feuchtebeständig noch elastisch war.

Wie der Oberstaatsanwalt weiter mitteilte, wurde beim Bau der Eishalle 1971 und 1972 gegen mehrere wesentliche Zulassungsvorschriften verstoßen: Bei den Holz-Dachträgern war eine Höhe von maximal 1,20 Metern erlaubt, tatsächlich waren die Träger aber mit 2,87 Metern mehr als doppelt so hoch. Eine beantragte Zulassung für höhere Träger hatte das Institut für Bautechnik 1971 nicht erteilt; die erforderliche Sondergenehmigung wurde bei der Obersten Baubehörde erst gar nicht beantragt.

Außerdem konnten die Ermittler trotz intensivster Suche keine von einem Prüfingenieur abgenommene statische Berechnung des Daches finden. „Ohne eine solche geprüfte Statik hätte das Bauwerk nicht errichtet werden dürfen“, schreibt Oberstaatsanwalt Vordermayer. In der ungeprüften statischen Berechnung wurde die Tragkraft der Dachgurte überschätzt.

Die maximale Schneelast von 150 Kilogramm pro Quadratmeter war zum Unfallzeitpunkt nicht überschritten, hieß es weiter. „Das Gebäude hätte deshalb aufgrund der vorhandenen Schneelast nicht einstürzen dürfen.“

Zur Instandhaltung der Eishalle stellten die Gutachter fest, dass die Standsicherheit der Dachkonstruktion nicht fachgerecht überprüft wurde. Schon vor Jahren müssen demnach Schädigungen an den Verklebungen zu sehen gewesen sein.

„Die Verkettung mehrere Mängel und Schäden“ habe schließlich zu der Katastrophe geführt. Nach Erkenntnissen der Sachverständigen versagte einer der drei östlichen Hauptträger zuerst. Die Last verteilte sich auf benachbarte, ebenfalls vorgeschädigte Träger, „wodurch das gesamte Dach reissverschlussartig einstürzte“.

Ermittelt wird den Angaben zufolge gegen vier ehemalige Mitarbeiter der Stadt Bad Reichenhall, zwei frühere Beschäftigte von Firmen, die an Bau des Daches beteiligt warn, sowie zwei Architekten beziehungsweise Bauingenieure. Wohn- und Geschäftsräume der Beschuldigten wurden am Donnerstag durchsucht. Bisher wurden rund 140 Zeugen vernommen, Dutzende Ordner mit Beweismaterial sicher gestellt.

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