Ermittlungspanne
Rätsel um Phantom von Heilbronn gelöst?

Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll hält das Rätsel um das "Heilbronner Phantom" für gelöst. Die an Dutzenden Tatorten gefundenen DNA-Spuren stammten vermutlich nicht von der angeblichen Serientäterin und Polizistenmörderin, sondern seien auf eine Panne zurückzuführen.

HB STUTTGART. Die Spuren seien auf Verunreinigungen von Wattestäbchen der Spurensicherung zurückzuführen: Dies habe "eine hohe Plausibilität", sagte Goll. Er stelle sich darauf ein, dass es tatsächlich so war.

"Das hätte natürlich nicht passieren dürfen", sagte Goll. Den Ermittlern dürfe daraus aber kein Vorwurf gemacht werden. Sie hätten nichts falsch gemacht. "Die sehen es einem Wattestäbchen ja nicht an, dass da schon was dran ist." Sollte die Wattestäbchen-Variante stimmen, müssten in DNA-Untersuchungen neue Sicherungsverfahren eingebaut werden, forderte der Justizminister. Alle müssten sich zudem nochmals klar machen, dass man mit DNA auch falsche Spuren legen kann.

Die Ermittlungspanne wirkt sich nach Ansicht von Goll auch auf die Verlässlichkeit von Gentests aus. "Für die Anwendung von DNA-Tests ist das natürlich nicht schön", sagte Goll am Donnerstag in Stuttgart. Eine Gefahr, dass Unschuldige verurteilt wurden oder werden, sehe er aber nicht. Sollte sich der Verdacht mit den Verunreinigungen von Wattestäbchen erhärten, gelte es dennoch, rasch zu klären, wie es dazu kommen konnte. "War es reine Schlamperei?", fragte Goll. Mögliche Auswirkungen auf das Instrument DNA-Tests gelte es "gründlich zu durchleuchten".

Das Landeskriminalamt in Stuttgart untersucht derzeit fieberhaft, ob Wattestäbchen, mit denen Spuren an Tatorten gesichert wurden, schon vorher mit DNA verunreinigt waren. Das "Phantom" wird mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht. Die DNA der unbekannten Frau wurde an 40 Tatorten gefunden. Unter anderem soll sie im April 2007 in Heilbronn eine 22 Jahre alte Polizistin kaltblütig erschossen haben. Für ihre Ergreifung wurde eine Belohnung von 300 000 Euro ausgesetzt.

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