Erpresser wird psychiatrisch begutachtet
Staatsanwaltschaft untersucht Zyankali-Lieferanten

Nach der angedrohten Vergiftung des Trinkwassers in der niedersächsischen Stadt Einbeck nimmt die Staatsanwaltschaft jetzt auch den Lieferanten des Zyankali ins Visier.

HB/dpa GÖTTINGEN/EINBECK. „Wir prüfen, ob das Unternehmen beim Verkauf der Chemikalie an den 32-Jährigen gegen Rechtsvorschriften verstoßen hat“, sagte der Sprecher der Göttinger Strafverfolgungsbehörde, Hans Hugo Heimgärtner, am Donnerstag.

Bei dem Mann hatte die Polizei mehr als 50 Kilogramm Zyankali gefunden. Er hatte zuvor in einem Brief die Vergiftung für den 11. September angekündigt. Gegen den 32-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Er soll auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden.

Bei der Polizei herrschte am Donnerstag Verwunderung darüber, dass der 32-Jährige relativ problemlos an das Zyankali herangekommen ist. Der Mann hatte als kaufmännischer Angestellter bei einer Pelzveredelungsfirma gearbeitet. Das Unternehmen produziert in Polen und unterhält im niedersächsischen Kreis Northeim ein Büro. Dorthin hatte der 32-Jährige die Chemikalie bestellt und dann zu sich nach Hause gebracht. Es sei völlig unklar, ob diese Lieferung legal war, hieß es bei der Polizei.

Der 32-Jährige hatte im April einen Drohbrief an die Stadtwerke Einbeck geschickt und die Vergiftung des Trinkwassers mit Zyankali angekündigt. Die Polizei hatte zunächst keine Spur, war dann aber darauf gestoßen, dass die Chemikalie auch bei der Pelzveredelung eingesetzt wird. Auf diese Weise waren die Fahnder schließlich auf die Firma im Kreis Northeim und den 32-Jährigen gestoßen.

In Keller seines Wohnhauses fanden die Beamten dann auch das Zyankali. Die Feuerwehr füllte das in einem kleinen Fass gelagerte Gift in einen sicheren Behälter um. Inzwischen sei eine Spezialfirma damit beauftragt, das Zyankali zu entsorgen, sagte ein Polizeisprecher. Die Lieferfirma habe das Gift nicht zurücknehmen wollen.

Die Staatsanwaltschaft geht unterdessen davon aus, dass der 32- Jährige keine politischen, sondern persönliche Motive für die Anschlagsdrohung hatte. Der als hochintelligent beschriebene Mann habe offenbar persönliche Probleme, hieß es. Weil er bei seinen Vernehmungen verworrene Angaben gemacht hatte, soll er jetzt psychiatrisch begutachtet werden.

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