Erpressung
Klatten-Prozess: Verführt und abgeführt

Klatten-Erpresser Helg Sgarbi legt ein Teilgeständnis ab, das seine Strafe mildert. Der überraschend kurze Prozess hatte so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie wenige andere Fälle in den vergangenen Jahren. Ein paar wesentliche Fragen aber lässt er unbeantwortet.

MÜNCHEN. Sie steckten das Geld in neutrale Plastiktüten, in umfunktionierte Konservendosen oder in Umzugskartons. Getroffen hat man sich in dunklen Tiefgaragen oder an öffentlichen Plätzen. Gezahlt haben sie alle im guten Glauben, einem in Not geratenen Menschen zu helfen. Einem, dem sie vertrauten. Am Ende hat der Mann, der ihnen in seitenlangen Briefen mit blumigen Worten die Liebe versprach, ihnen nicht viel zu sagen.

„Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich gegenüber den geschädigten Damen“, sagt Helg Sgarbi mit seiner sanften Stimme. Ein schmaler Mann in dunklem Anzug, mit schmaler Vertreterbrille.

So beginnt in Saal 101 des Münchener Landgerichts ein Gerichtsprozess, der bereits im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie wenige andere in den vergangenen Jahren. Denn zu seinen Opfern gehörte die BMW -Erbin Susanne Klatten.

Ein Gigolo und vier Millionärinnen, die er um insgesamt 9,4 Millionen Euro betrogen und erpresst hat, so wird es das Gericht vier Stunden später feststellen. Sechs Jahre muss Sgarbi dafür ins Gefängnis. Dass er sich „im Kern“ in allen Anklagepunkten für schuldig erklärt, rechnet ihm das Gericht als strafmildernd an. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre gefordert.

„Den Geschädigten wurde eine Aussage erspart, das wurde berücksichtigt“, sagt der Vorsitzende Richter Gilbert Wolf. Den Frauen attestiert er eine „gewisse Leichtfertigkeit“.

Es ist ein schneller Prozess, und Susanne Klatten muss nicht öffentlich aussagen. Doch ein paar wichtige Fragen lässt er unbeantwortet. Der Großteil des erpressten Geldes ist bisher nicht gefunden. Das Video, 38 Minuten lang, mit dem Sgarbi Klatten erpresste, wurde nicht gefunden. Deshalb werde Sgarbi die sechs Jahre wohl auch voll abbrummen müssen, sagt Richter Wolf.

Sgarbi nimmt das Urteil hin.

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