Erste Moskauer „Millionärsmesse“
Geld haben und es ausgeben

Krapiwno kostet 130 Millionen Dollar. „So viel wie 130 Füllfederhalter à einer Million Dollar, wie sie hier auf der Messe verkauft werden“, lächelt Graf Wladimir Tolstoi verschmitzt. Krapiwno ist eine Stadt, die der Direktor des Leo-Tolstoi-Museums auf „Millionaire Fair“ in Moskau angeboten hat.

MOSKAU. Das laut dem Blaublüter „angestaubte original erhaltene russische Architektur-Juwel von zu Beginn des 19. Jahrhunderts“ südlich der Hauptstadt soll nach dem Willen des Urenkels des großen russischen Schriftstellers von einem der 88 000 Millionäre oder der 33 Milliardäre - so viele gibt es in Moskau - gekauft und gründlich im alten Stil restauriert werden.

Eine ganze Stadt, ein 580 000 Euro teurer Mercedes SLR-McLaren, Hubschrauber, Nobelyachten, Millionen-Villen in Dubai und an der Mittelmeerküste - nichts, was es auf der „Millionaire Fair“ nicht gibt. Und die Aussteller frohlocken: Der Leipziger Pianobauer Blüthner hat bereits in den ersten sechs Stunden vier Flügel verkauft. Stückpreis: 95 000 Euro. Der Chef des russischen Diamantenförderers Alrosa, Alexander Nitschiporuk, hatte gleich sieben Interessenten für sein größtes Exponat, ein Riesen-Brillant: „Nur muss bei solchen Steinen die staatliche Schatzkammer Gochran ihre Zustimmung erteilen und die stellt sich bei solchen dreistelligen Karat-Unikaten quer.“

Während also einige der russischen Neureichen ihre Wünsche nicht erfüllen können, glauben zwei junge tadschikische Wanderarbeiter, die als Gerüstbauer auf der Messe aushelfen, ihren Augen nicht: Mit aufgerissenen Mündern schlendern die beiden jungen Männer aus dem ärmsten Land Zentralasiens in ihren Blaumännern an den Ständen für die Reichen vorbei. So sehen sie am Stand der Galerie Krokin einen aus Dollarscheinen genähten Anzug und ein Cocktailkleid aus 50-Rubel-Noten. Neben dem gelben Hummer-Geländewagen für 93 810 Dollar starren in goldene Scherpen gewandete Hostessen auf das dort in einer Manege trabende beste Pferd des Sovereign Club Racing-Stalls - statt am eigenen Stand potenzielle Kunden zu umgarnen.

Moskau - schon der Name lässt in Zeiten westlicher Konsumflaute die Herzen internationaler Luxusgüter-Hersteller höher schlagen. Auch wenn Michail Kusnirowitsch meint, „der einzige Luxus ist es, frei zu sein“. Zugleich fügt der Aufsichtsratschef des russischen Luxuswaren-Importeurs Bosco di Ciliegi aber hinzu: „Ich kann es mir inzwischen leisten, mir etwas nicht zu leisten.“ So denken zum Glück der Händler aber nur die wenigsten reichen Russen: „Das Schöne in Moskau ist, dass das Publikum nicht nur Geld hat, sondern es auch gerne ausgibt“, meint Christian Blüthner-Hässler, Chef der Leipziger Klavierfabrik Julius Blüthner. „Russen wollen immer das Teuerste und Beste“, berichtet Jack Barbanel von der gleichnamigen Strategic Investment Group. So gäben russische Unternehmer durchschnittlich 16 500 Dollar für eine Uhr aus, während es bei ihren europäischen Kollegen 7500 und bei US-Geschäftsleuten sogar nur 4000 Dollar seien.

Vor allem erfreut die IWCs, Guccis und Porsches dieser Welt das russische Wachstum: So wächst der Moskauer Luxusmarkt nach einer Studie von Bain & Co. um jährlich 18 Prozent und macht bereits fünf Prozent der weltweiten Luxusgüterverkäufe aus. In Russland werden dabei jährlich 9,2 Mrd. Dollar mit Yachten, Brillantcolliers oder Nobelschlitten umgesetzt, im Ausland geben Russen zudem noch mal 12,5 Mrd. Dollar für Luxus aus.

„Russen sind für uns immer wichtigere Kunden“, sagt auch Christian Mastro, Europa-Chef von Lamborghini. „Denn sie kaufen sich meist einen Edelwagen für ihre Heimat und einen für ihre Residenz im Ausland.“ Dabei sei der Preis egal, „für sie sind Luxuskarossen einfach Spielzeug“. Teures Spielzeug: Wegen der hohen Zölle und Transportkosten kostet ein Lamborghini in Russland 300 000 Euro, während man in Europa „nur“ 195 000 für solch einen Flitzer zahlen muss. Dabei haben Bentley, Maybach und Ferrari lange Wartelisten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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