Erste Räumungen in Tschechien
Helfer kämpfen gegen Hochwasser an Elbe und Donau

Nach starker Schneeschmelze und heftigen Regenfällen rüsten sich einige Regionen in Bayern und Sachsen gegen Hochwasser. In Dresden wird die Elbe nach Expertenschätzung noch diese Woche mit mehr als siebeneinhalb Metern den höchsten Stand seit der Hochwasserkatastrophe vom Sommer 2002 erreichen.

HB DRESDEN/MÜNCHEN. An normalen Tagen beträgt der Pegelstand zwei Meter. Die Behörden gingen davon aus, dass am Donnerstag die höchste Warnstufe ausgerufen werden muss. Auch in Bayern traten zahlreiche Flüsse über die Ufer. Im am schlimmsten betroffenen Passau, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, stabilisierte sich die Lage. Allerdings blieb der Wasserstand deutlich über dem Wert für die höchste Warnstufe. Einige Straßen und Häuser in der Altstadt standen unter Wasser.

Das sächsische Hochwasserzentrum korrigierte seine frühere Vorhersage kräftig nach oben. Bis zum Freitag rechnen die Experten mit einem Anstieg der Elbe auf bis zu 7,65 Meter, so dass auch Dresdner Wohngebiete überflutet werden dürften. Damit sei der Höchststand wohl noch nicht erreicht, sagte eine Sprecherin. In der Stadt begannnen Bewohner und Feuerwehr damit, Häuser mit Sandsäcken zu sichern. In Dresden und Meißen wurden ufernahe Straßen gesperrt. In Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz errichteten Helfer Hochwasserschutzwände. Dagegen entspannte sich die Situation an vielen anderen Flüssen in Sachsen.

Abgesehen von dem Jahrhunderthochwasser von Mitte 2002, bei dem die Elbe in Dresden auf 9,40 Meter gestiegen war, wurde dort eine Marke von mehr als sieben Meter zuletzt im April 1941 erreicht. Damals wurden 7,15 Meter gemessen.

„Wir sehen nach wie vor keine Scheitelausbildung“, sagte eine Sprecherin des Hochwasserzentrums. An den Pegeln auf tschechischer Seite sei kein Ende des Anstiegs erkennbar. Erschwerend komme hinzu, dass im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe bis Donnerstag kräftige Niederschläge von bis zu 20 Liter pro Quadratmeter erwartet würden. Zudem verlaufe die Schneeschmelze wesentlich schneller als zuletzt vorhergesagt.

Das Hochwasser der Donau in Passau ging leicht zurück und blieb unter der ursprünglich erwarteten Neun-Meter-Marke. Bis zum Abend sagten Experten leicht sinkende Wasserstände in der Stadt voraus, die besonders hochwassergefährdet ist.

Einige Uferstraßen und Gassen in der Altstadt wurden überflutet, auch der Rathausvorplatz stand in Teilen unter Wasser. Viele Straßen waren gesperrt, Parkhäuser in Ufernähe wurden geschlossen. Insgesamt blieb das Hochwasser deutlich unter der Marke des vergangenen Sommers und etwa zwei Meter unter dem Stand beim Rekordhochwasser vom Spätsommer 2002. Ein Sprecher der Stadt nannte die Lage „nicht katastrophal“. Einige Geschäfte an den Ufern hätten leergeräumt werden müssen, Wohngebiete seien nicht betroffen.

Etwa 150 Helfer von Feuerwehr und THW errichteten in einigen Gassen der Altstadt Stege und dichteten Hauseingänge mit Sandsäcken ab. Feuerwehr-Chef Dieter Schlegel sagte, die Barrieren seien auf einen Wasserstand von 9.20 Meter ausgelegt. Der Hochwassernachrichtendienst hielt nochmals steigende Pegel in Ostbayern für möglich, da weitere Regenfälle erwartet würden.

Auch in anderen Regionen Bayerns kam es zu kleineren Überschwemmungen. Nach Angaben des Nachrichtendienstes wurde an den Donau-Zuflüssen Rott, Regen, und am Obermain mitunter die Hochwassermeldestufe drei erreicht, bei der vereinzelt Gebäude bedroht sind und einige Straßen gesperrt werden müssen.

In Tschechien hat sich die Hochwasserlage am Mittwochabend zugespitzt. Nach einem Ansteigen der Thaya in Südmähren müssen dort bis Donnerstagmorgen mehr als 10 000 Bewohner der Großstadt Znojmo (Znaim) sowie weiterer 14 Orte ihre Wohnungen verlassen, teilten die Behörden mit. Wegen der Überschwemmungen in der dortigen Grenzregion zu Österreich kündigte der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek Krisengespräche mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an. Die Regierung in Prag will wegen der landesweiten Überschwemmungen an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Dazu will Paroubek eigens früher von einem Besuch in Ägypten zurückkehren, wo er sich derzeit befindet. Die Situation an der Thaya sei „sehr ernst“, sagte der Vorsitzende der Region Südmähren, Stanislav Juranek, am Abend. Die Lage drohe gefährlicher zu werden als bei dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002. Die Feuerwehr habe bereits gemeinsam mit den Bürgermeistern mit der Evakuierung der betreffenden Wohngebiete begonnen, sagte Juranek. Staatspräsident Vaclav Klaus besuchte am Mittwoch kurz das Krisengebiet.

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