Erste Weltmeisterschaft im Kopfrechnen
Kampf der Superhirne

Früher hat Ralf Laue während des Duschens Wurzeln gezogen. Ohne Taschenrechner, aber mit jeder Menge Köpfchen. Doch irgendwann wurde auch dies dem Mathematiker der Universität Leipzig zu langweilig.

HB ANNABERG-BUCHHOLZ/LEIPZIG. Dann begann er mit dem Kalender rechnen: Ein beliebiges Datum genügt, und Laue kennt binnen Sekunden den Wochentag - jeden einzelnen der vergangenen fünf Jahrhunderte. Am 30. Oktober organisiert der 36-Jährige die ersten Weltmeisterschaften im Kopfrechnen im erzgebirgischen Annaberg- Buchholz.

Rund 20 Superhirne aus allen fünf Kontinenten haben sich zum Wettkampf in der sächsischen Adam-Ries-Stadt angesagt, die die Tradition ihres berühmten Sohnes pflegt. Die Besucher werden unter anderem in die historische Rechenschule eingeladen, die der auch als Adam Riese berühmt gewordene Rechenmeister 1525 gegründet hatte. „Die Deutschen haben gute Chancen auf einen Titel“, spekuliert Laue beim Sichten der Teilnehmerlisten. Als einer der heißesten Favoriten gilt Gert Mittring aus Bonn, Informatiker, Psychologe und Gewinner der diesjährigen Mind Sports Olympiade. Aber auch der Baden-Württemberger Rüdiger Gamm ist nicht zu unterschätzen. Sein Vorteil: Anders als viele Menschen rechnet er nicht nur mit dem Kurzzeitgedächtnis, sondern auch der Langzeitspeicher arbeitet mit. Ein Forscherteam bescheinigte dies dem gelernten Versicherungskaufmann, der noch nicht einmal Abitur hat. „Im Rechnen war ich der Schlechteste“, sagt Gamm.

Damit ist er kein Einzelfall, wie Laue weiß. Denn die Kunst, aus einem Wust von Zahlen ein Ergebnis zu formen, ist eine Mischung aus Veranlagung, Training und Konzentration. Bei der Kopfrechen-WM müssen sich die Teilnehmer in vier Disziplinen analog zu den Grundrechenarten beweisen. So müssen 10 zehnstellige Zahlen addiert, 2 achtstellige Zahlen multipliziert und die Quadratwurzel aus einer sechsstelligen Zahl gezogen werden. Pro Disziplin bleiben zehn Minuten Zeit. Vierte Disziplin ist das Kalender rechnen. Hier hat Ravi Sankar aus Indien bereits angekündigt, zu einem Datum aus den Jahren 1600 bis 10099 alle Wochentage in nur 20 Sekunden berechnen zu können. Zusätzlich gibt es zwei Überraschungsaufgaben, die derzeit nur Hauptschiedsrichter Laue kennt.

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