Erstes Interview nach Haftentlassung
Marco W. glaubte zunächst an Verwechslung

Der nach acht Monaten aus türkischer Haft entlassene Marco W. hat ein erstes Interview gegeben. Nach dem Gefängnisaufenthalt will er jetzt zurück in sein „normales Leben“, sagte der deutsche Schüler. Der gegenerische Anwalt allerdings fordert die sofortige Rückkehr in die Türkei – und kündigt Beschwerde gegen die Freilassung von Marco an.

HB UELZEN. Der deutsche Schüler Marco aus Uelzen hofft nach seiner Entlassung aus türkischer Haft auf ein möglichst ruhiges, normales Leben. In einem RTL-Interview antwortete der 17-Jährige auf die Frage, ob er glaube, wieder so leben zu können wie vorher: „Ja, das hoffe ich. Das möchte ich auch“. Wenn er zurückkehre in seinen Heimatort wolle er Freunden „Hallo“ sagen und „alte Gewohnheiten“ wieder pflegen. Marco sagte jedoch nicht, wann er wieder nach Uelzen fahren wolle. Er hält sich derzeit an einem geheimen Ort auf. In den acht Monaten der Haft habe er viel Zeit zum Nachdenken gehabt. „Ich bin schon noch der Marco“ - aber vielleicht ein „bisschen reifer“.

Marco erklärte in dem Interview weiter, er habe bei seiner Verhaftung zunächst an eine Verwechslung geglaubt. Noch auf dem Weg ins Gefängnis habe er gehofft, dass sich die Angelegenheit rasch aufkläre, sagte er.

Zu seinem achtmonatigen Gefängnisaufenthalt sagte der Schüler: „Man kann sich ja ein bisschen die Zeit vertreiben mit Sport, mit Fernsehen.“ Es hätten sich auch Freundschaften zu anderen Gefangenen entwickelt. Die Erfahrung der Haft habe ihn aber nicht zu einem anderen Menschen gemacht.

Marcos Vater sagte, jetzt werde alles dafür getan, Marcos Ehre wieder herzustellen. Marcos Mutter Martina zeigte sich „unendlich erleichtert“, dass ihr Sohn wieder in Deutschland ist. Es habe lange Zeit gedauert „bis das sackte“.

Der Anwalt des mutmaßlichen Opfers will Beschwerde gegen die Freilassung einlegen. „Das Gericht hätte Marco nicht die Ausreise nach Deutschland erlauben dürfen. Sie hätten ihn in der Türkei behalten müssen“, sagte Rechtsanwalt Ömer Aycan. „Die Beweise zeigen, dass Marco meine Mandantin vergewaltigt hat“, sagte Aycan. Er werde am Nachmittag Beschwerde gegen die Entscheidung der Richter einreichen.

Am Freitag hatte das Gericht Marco ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Nach 247 Tagen im Gefängnis war Marco am frühen Samstagmorgen mit einem Privatjet auf dem Nürnberger Flughafen gelandet. Marco soll während eines Osterurlaubs in der Türkei die 13 Jahre alte Britin Charlotte sexuell missbraucht haben, was er aber estreitet. Der Prozess soll am 1. April in Antalya fortgesetzt werden.

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