Erstmals auf Sonntagsgebet verzichtet: Papst bittet Gläubige für ihn zu beten

Erstmals auf Sonntagsgebet verzichtet
Papst bittet Gläubige für ihn zu beten

Der schwer kranke Papst Johannes Paul II. hat sich am Sonntag am Fenster seines Krankenzimmers gezeigt, nachdem er zuvor erstmals in seiner 26-jährigen Amtszeit nicht das traditionelle Sonntagsgebet sprechen konnte.

HB ROM. An Stelle des schwer kranken Papstes sprach der Kuriengeistliche, Erzbischof Leonardo Sandri, im päpstlichen Auftrag das Sonntagsgebet und den Segen auf dem Petersplatz. Allerdings zeigte sich Johannes Paul II. überraschend für einige Sekunden am geschlossenen Fenster der Gemelli-Klinik in Rom. Es war der erste Auftritt des 84-Jährigen nach seiner Luftröhrenoperation am Donnerstag. Vom Rollstuhl aus deutete er mit den Händen das Kreuzzeichen an. Er wirkte schwach und angegriffen.

Erzbischof Sandri las auf dem Petersplatz einen kurzen Text des Papstes vor. „Ich fühle mich Euch nahe. Begleitet mich mit Euren Gebeten“, hieß es darin. Dann sprach er vor Tausenden Gläubigen die lateinische Segensformel. Menschen auf der ganzen Welt beteten für das römisch-katholische Kirchenoberhaupt. Selbst nach dem Attentat im Mai 1981 und nach der schweren Darmoperation 1992 hatte der Papst das sonntägliche Angelusgebet auf Band gesprochen. Bei seinem Klinikaufenthalt Anfang Februar konnte der Schwerkranke zumindest noch den Segen erteilen. Der Papst darf nach seiner Notoperation am Donnerstag, bei der ihm eine Kanüle in die Luftröhre eingesetzt wurde, zumindest für mehrere Tage nicht sprechen.

Unklar ist, wie lange er noch in der Klinik bleiben muss, in der er schon Anfang Februar wegen Grippe und Atemnot behandelt werden musste. Italienische Medien berichteten, möglicherweise müsse der Papst, der zudem seit vielen Jahren an der Parkinson-Krankheit leidet, noch längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Nach wie vor sei das Infektionsrisiko groß, hieß es unter Berufung auf Mediziner. Kritisch sei vor allem die erste Woche. Zudem sei unklar, wie sich die Sprache des Papstes auf Dauer entwickeln werde.

Der Patient müsse streng isoliert werden, um ihn vor Bakterien und Viren zu schützen. Wie für viele alte Menschen wäre eine Lungenentzündung für ihn besonders gefährlich, meinten Ärzten. Wegen der Ansteckungsgefahr dürfen selbst Kardinäle und hohe italienische Politiker nicht in das Krankenzimmer. Wegen der Risiken sei das Ärzteteam zurückhaltend mit Prognosen über die weitere Genesung, schreiben italienische Zeitungen. Der Vatikan will an diesem Montag eine weitere offizielle Erklärung zum Gesundheitszustand abgeben.

Der Allgemeinzustand des Papstes entwickele sich aber zufrieden stellend, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf Ärzte der Gemelli-Klinik. Alle medizinischen Werte entsprächen den Normen bei einem Menschen seines Alters. Ob und wann die Kanüle, die dem Papst beim Luftröhrenschnitt gelegt wurde, entfernt werden kann, sei unklar.

Sie könne auch dauerhaft eingesetzt bleiben, um die Atmung zu verbessern, hieß es. Den Medizinern zufolge wird Johannes Paul später vermutlich wieder sprechen können, wenn auch mit weniger Volumen. Dennoch äußerten einige italienische Zeitungen die Sorge, dass der Kirchenführer seine Stimme auf Dauer verlieren könnte.

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