Erstmals Treffen mit Geschädigten
Grünenthal geht auf Contergan-Opfer zu

Rund 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal zeichnet sich im angespannten Verhältnis des Arznei-Herstellers Grünenthal zu den Geschädigten eine Annäherung ab. Firmenchef Sebastian Wirtz wandte sich erstmals in einem Brief an einen Betroffenen und lud ihn zu einem Treffen ein.

HB BERLIN. „Ich freue mich riesig über diese prima Geste“, sagte der Contergangeschädigte Christian Knabe aus München am Samstag nach Erhalt des Briefes. Nach dem ARD-Themenschwerpunkt „Contergan“ in der vergangenen Woche steht Grünenthal nicht nur hierzulande unter Druck: International droht dem Konzern laut „Spiegel“ eine Kampagne für Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe.

Pressefotograf Knabe hatte am vergangenen Mittwoch in der ARD- Talkshow „Hart aber fair“ erneut den Wunsch nach einem Treffen mit der Grünenthal-Leitung geäußert. Der 46-Jährige bedauerte in der Sendung, dass er auf ein Schreiben an Wirtz nicht einmal eine Antwort erhalten habe. Der nun an ihn gerichtete Brief sei „sehr einfühlsam“ geschrieben, sagte Knabe der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Treffen sei für das kommende Jahr geplant. Auf Wirtz' Wunsch solle es im privaten Rahmen stattfinden.

Auch 50 Jahre nach der Markteinführung von Contergan hat die Hersteller-Firma Grünenthal bisher kein Schuldempfinden geäußert. Dass Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre weltweit 10 000 Kinder zum Teil schwer fehlgebildet auf die Welt kamen, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft das lange rezeptfreie Schlafmittel eingenommen hatten, nennt das Aachener Unternehmen eine „unvorhersehbare Tragödie“. Bisher gab es kein Treffen mit Geschädigten.

Er habe einen „Riesenrespekt“ vor den Contergangeschädigten, sagte Firmenchef Wirtz den „Aachener Nachrichten“ und der „Aachener Zeitung“. Die Zeit sei reif, bei diesem sensiblen Thema „das auszudrücken, was man empfindet“. Der 37-jährige Enkel des Firmengründers schloss nicht aus, Kontakt zum Bundesverband Contergangeschädigter aufzunehmen. Dennoch stellte er klar, dass eine Entschuldigung an die Opfer nicht geplant sei: „Nein, denn in diesem Wort steckt das Wort Schuld.“ Überlegungen zu einer weiteren finanziellen Unterstützung gebe es „derzeit“ nicht.

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