Erzbistum hatte Einstweilige Verfügung beantragt
Gericht erlaubt Zeichentrick-Serie „Popetown“

Das Landgericht München hat ein Verbot der umstrittenen Zeichentrick-Serie „Popetown“ abgelehnt. Die Sendung sei „zu dumm, um beleidigend zu sein“, befanden die Richter

HB MÜNCHEN. Der Musiksender MTV darf seine umstrittene Sendung um einen „durchgeknallten Papst“ ausstrahlen. Das Erzbistum München und Freising scheiterte am Mittwoch vor Gericht mit seinem Verbotsantrag für die Kirchensatire. „Popetown“ gefährde den öffentlichen Frieden nicht, begründete die 9. Zivilkammer des Landgerichts München I ihre Entscheidung (Aktenzeichen neun O 8051/06). Ein Versuch der Kammer, eine außergerichtliche Einigung in dem Streit zu erzielen, war zuvor gescheitert.

Das Bistum erneuerte unmittelbar nach der Entscheidung des Gerichts seine Forderung nach einem wirkungsvollen Schutz religiöser Bekenntnisse. Die Anwälte von MTV teilten mit: „Die Richter vermochten in der Sendung keine verbotene Verunglimpfung religiöser Bekenntnisse zu erkennen. Die gesellschaftliche Diskussion war zwar kontrovers. Juristisch aber war das Ergebnis zu erwarten.“

Das Gericht führte aus, allein die Ankündigung und Werbung für die Serie hätten vielfältige Reaktionen ausgelöst. „Diese bewegten sich jedoch sämtlich auf der Ebene des sachlichen Diskurses mit den Vorabveröffentlichungen, ohne die Gefahr einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Dimension zu erreichen.“ Nicht jede Veröffentlichung, „mag sie auch geschmacklos oder schlicht dümmlich sein“, so das Gericht, beeinträchtige den öffentlichen Frieden.

Eine außergerichtliche Einigung schien nach Darstellung der Kammer in greifbarer Nähe. Das Gericht hatte angeregt, die für Mittwochabend angesetzte Ausstrahlung der ersten Folge in eine Live-Diskussion einzubetten, an der auch Kirchenvertreter hätten teilnehmen sollen. Im Gegenzug hätte sich MTV verpflichtet, auf eine Ausstrahlung der weiteren neun Folgen der Serie zu verzichten.

Für das Erzbistum bleibt die Forderung von Kardinal Friedrich Wetter nach einer neuen Sensibilität im öffentlichen Umgang mit Glaubensinhalten und religiösen Symbolen auch nach der gerichtlichen Niederlage auf der Tagesordnung. Die Entscheidung mache deutlich, „dass die Politik zum Handeln herausgefordert ist“, heißt es in einer Stellungnahme. Es müsse eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, „die einen wirkungsvollen Schutz religiöser Bekenntnisse vor Verunglimpfung gewährleisten kann“, so die Reaktion der Bistumsleitung. Das Ordinariat werde prüfen, ob es weitere rechtliche Schritte unternimmt.

Das Ordinariat warf MTV in dem Rechtsstreit vor, „Popetown“ verunglimpfe das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums als „Instrument des Klamauks“. Zudem würden die Heilige Messe persifliert und behinderte Kinder in menschenverachtender Sprache beleidigt. Eine vom Erzbistum geforderte Unterlassungserklärung hatte der Sender nicht unterzeichnet. Daraufhin hatte das Ordinariat die Einstweilige Verfügung beantragt. Sie richtete sich sowohl gegen die Serie als auch gegen die Werbung, die einen lachenden Jesus nach der Kreuzigung beim Fernsehen zeigt. Die Unterschrift lautete „Lachen statt rumhängen“.

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