Es gibt kein Mitleid und auch keine Belehrung: Frank Zander gibt Party für Obdachlose

Es gibt kein Mitleid und auch keine Belehrung
Frank Zander gibt Party für Obdachlose

Einmal im Jahr lädt Sänger Frank Zander 1 500 Obdachlose in Berlins Estrel-Hotel, schüttelt ihnen die Hände und organisiert eine Weihnachtsfeier mit Gänsebraten und Showprogramm. Seit zehn Jahren ist das Tradition in der Hauptstadt.

HB BERLIN. Die Hotelgäste werden nicht gut riechen. Viele tragen mehrere Hosen und Pullover übereinander und verstauen ihre Habe in Plastiktüten. Für viele Menschen von der Straße ist die Party es das Fest des Jahres. Die Berliner Diakonie schätzt, dass es auch die größte deutsche Party ist - für die Ärmsten der Armen einer Stadt.

Der Aufwand für die Obdachlosen-Feier gleicht der Organisation einer Großveranstaltung. Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk und der Caritas hat Entertainer Zander (62) in diesem Jahr den gesamten Festival-Trakt des Estrel-Hotels gebucht. Säle, in denen „Bambis“ an Stars verliehen und Schönheitsköniginnen gekrönt wurden. Dort, wo auch schon ein SPD-Sonderparteitag über die Agenda 2010 beriet.

Nun stehen im Hotel 150 weiß eingedeckte Zehnertische für Gäste ohne ein Zuhause. Bis zu 4 000 Menschen leben in Berlin nach Senatsschätzungen auf der Straße. Es gibt ein gut ausgebautes Netz von Notunterkünften und Suppenküchen, erfrieren muss niemand. Doch einmal im Jahr geht es um mehr als eine gute Mahlzeit und ein paar Stunden im Warmen. „Im Kern geht es darum, sich in einem Hotel wie ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu fühlen“, sagt Hermann Pfahler vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg.

Dass diese ungewöhnliche Weihnachtsfeier funktioniert, liegt sicher auch an Frank Zander. Er hat nicht nur 25 000 Euro Spendengelder für dieses Fest eingeworben. „Er trifft auch den richtigen Ton, die Obdachlosen sind einfach höllisch begeistert von ihm“, ergänzt Pfahler.

Gibt es ein Geheimrezept für Entertainer, die Obdachlosen Berlins zu unterhalten? „Mein Vater behandelt sie so, als ob er sie zufällig in der Kneipe trifft“, berichtet Zanders Sohn Marcus. Es gebe kein Mitleid und auch keine Belehrung. „Die Menschen spüren auch, dass es kein PR-Gag ist“, ergänzt er. Als Bruce Springsteen eine CD vor Obdachlosen präsentierte, war das so ein Gag. Zander, der die Idee ursprünglich übernehmen wollte, hat sich vor zehn Jahren eines Besseren besonnen.

Er steht nicht nur auf der Bühne und mimt wie üblich den Blödel- Barden mit Reibeisenstimme. Er serviert den Gänsebraten und hat dabei prominente Helfer aus dem Show-Business. Oli P., Ayman, Frank Schöbel und Karl Dall wollen in diesem Jahr dabei sein. „Der große Unterschied zu andern Benefiz-Veranstaltungen ist, dass die Helfer direkt mit den Obdachlosen in Kontakt kommen“, umschreibt Frank Zander sein Engagement. Auch Politiker sind schon zu Gast gewesen. Und in diesem Jahr will Bundespräsident Horst Köhler ein Grußwort schicken, berichtet Zanders Sohn.

Die Weihnachtsparty hat mit den Jahren ein nicht minder ungewöhnliches Begleitprogramm erhalten: Die Berliner Verkehrsbetriebe fahren Obdachlose mit Doppeldeckern zum Fest. Profis aus der Friseurinnung schneiden Bärte und Haare, Firmen spenden warme Kleidung und Lebensmittel für ein Geschenkpaket. Im Hotel sieht es aus wie auf dem Jahrmarkt, doch das gehört dazu. In diesem Jahr steigt das Fest am 23. Dezember. Frank Zander hat 1500 Portionen Gänsebraten bestellt - so viel wie noch nie zuvor.

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