ESC-Vorentscheid Andreas Kümmert gibt der Musikindustrie einen Korb

„Unser Song für Österreich“ steht fest: Ann Sophie fährt mit „Black Smoke“ nach Wien. Dabei hatten sich die Fernsehzuschauer für Andreas Kümmert entschieden. Doch der 28-Jährige überraschte alle und verzichtete.
Update: 06.03.2015 - 10:47 Uhr 4 Kommentare
Sänger Andreas Kümmert fühlt sich nicht in der Lage, Deutschland beim ESC in Wien zu vertreten. Quelle: dpa
Zurückgetretener ESC-Gewinner

Sänger Andreas Kümmert fühlt sich nicht in der Lage, Deutschland beim ESC in Wien zu vertreten.

(Foto: dpa)

HannoverDer deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) ist mit einem Eklat zu Ende gegangen: Der vom Publikum zum Sieger bestimmte Andreas Kümmert schlug am Ende der Show „Unser Song für Österreich“ die Teilnahme am ESC-Finale aus.

„Ich möchte kurz was dazu sagen: Ich bin überwältigt von Euch allen, von Deutschland. Dafür, dass Ihr meine Musik toll findet, mich unterstützt habt", sagte Kümmert. „Es ist momentan so: Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen, und muss deshalb - Ich geb' meinen Titel an Ann Sophie“, sagte der 28-Jährige am Donnerstagabend nach der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Damit wird die Zweitplatzierte Ann Sophie Deutschland am 23. Mai in Wien vertreten. Die 24 Jahre alte Newcomerin warb anschließend dafür, Kümmerts Entscheidung zu respektieren. „Ich finde das megamutig, dass er in dem Moment so auf sein Herz gehört hat“, sagte Ann Sophie.

„Er ist ein Wahnsinnssänger und ich schätze ihn sehr. Es wäre schrecklich gewesen, wenn er sich dazu gezwungen hätte, einfach weiterzumachen“, sagte die 24-jährige Hamburgerin über den „Voice-of-Germany“-Gewinner. Sie selbst singt jetzt beim Finale in der österreichischen Hauptstadt ihren souligen Popsong „Black Smoke“.

Wer folgt auf die Wurst?
Die Vorjahressiegerin...der Vorjahressieger?
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Im vergangenen Jahr gewann die Travestiekünstlerin Conchita Wurst mit ihrer Ballade „Rise like a Phoenix“. Damit holte sie den Sieg im Eurovision Song Contest (ESC) nach Österreich, wo er im 23. Mai in Wien ausgetragen wird. Im Vorentscheid kämpfen nun acht Acts um die Chance, Deutschland beim Eurovision Song Contest 2015 zu vertreten. Das sind die Kandidaten.

Faun
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Der Musikstil der Band Faun nennt sich „Pagan-Folk“. Da schwingen Mystik, Minnesang und Mittelalter mit. Die sechs Künstler kombinieren Instrumente wie Drehleier, Harfe und Dudelsack. Der Durchbruch gelang Faun 2013 mit dem Album „Von den Elben“. Das Album „Luna“ erreichte 2014 Platz vier der deutschen Charts.

Mrs. Greenbird
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Von Null auf Platz eins der Album-Charts schaffte es das Kölner Duo Mrs. Greenbird Ende 2012 mit seinem Debüt, das sich mehr als 160.000 Mal verkaufte. Auch diese zwei Musiker haben eine Casting-Show gewonnen, nämlich das eingestellte Vox-Format „X Factor“. Sie nennen ihren Stil „Singersongwritercountryfolkpop“.

Laing
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Elektronisch geht es bei Laing zu. Mit der Single „Morgens immer müde“ wurde das Berliner Damenquartett in ganz Deutschland bekannt. Kürzlich ist das zweite Album erschienen.

Noize Generation
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Noize Generation ist der Bühnenname von Jewgeni Grischbowski („Jeff“). „Der 1992 geborene Wahlmünchner gehört mit seinen Tracks und Remixen seit Jahren zu den Szenegrößen im Bereich der elektronischen Musik“, berichtet der NDR. Mittlerweile habe er sein Klavier- und Gitarrenspiel neu entdeckt und bewege sich zwischen elektronischen Klängen und Songwriting.

Alexa Feser
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Alexa Feser jobbte früher als DJ, Zeitungszustellerin und Flugbegleiterin, um ihre Musik zu finanzieren. Inzwischen hat die Wiesbadenerin ein erfolgreiches Debütalbum („Gold von morgen“) veröffentlicht. Ihre Deutschlandtournee war ausverkauft.

Fahrenhaidt
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Hinter dem Projekt Fahrenhaidt stehen die Berliner Musikproduzenten Erik Macholl und Andreas John. Ziel des Duos sei es, „den gestressten Menschen von heute durch seine Kompositionen Ruhe und Entspannung zu bringen“, bringt es der NDR auf den Punkt. Ihren Stil beschreiben die zwei als „modernen Nature-Pop“.

Der Vorentscheid wurde live aus Hannover übertragen. Der für die Show verantwortliche NDR war von Kümmerts Entscheidung komplett überrascht worden. „Wir haben da mit offenem Mund gestanden“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Es sei Kümmerts Idee gewesen, beim ESC dabei zu sein, betonte er.

Das Team um Kümmert verwies nach der Show auf den öffentlichen Wirbel, dem der Sänger ausgesetzt sei. „Die Lampe ist zu groß, die da angeht“, sagte Siggi Schuller von der Plattenfirma Universal in einem ARD-Video. „Er hat alles gegeben und irgendwann festgestellt, dass er es einfach nicht packt.“ Er glaube, Kümmert habe einfach spontan entschieden.

Moderatorin Barbara Schöneberger akzeptierte auf der Bühne Kümmerts Entscheidung und erklärte Ann Sophie zur Siegerin. Sie habe Kümmert abgenommen, dass er nicht tief in die ESC-Maschinerie eintauchen wollte, sagte Schöneberger nach der Show. „Der hat Angst.“

Ein Sprecher der veranstaltenden European Broadcasting Union (EBU) reagierte gelassen. „Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen“, sagte EBU-Sprecher Jarno Siim der Zeitung „Die Welt“ (Online). „Für uns gilt derjenige als Kandidat, der im Mai zum Head of Delegations Meeting in Wien erscheint.“ Der Rückzug Kümmerts gefährde Deutschlands Teilnahme nicht, „auch wenn es meinen Informationen nach bisher einzigartig ist“.

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4 Kommentare zu "ESC-Vorentscheid: Andreas Kümmert gibt der Musikindustrie einen Korb"

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  • Aber eigentlich ist mir das sch... egal

  • Warum hat er erst da mitgemacht?! Ich finde es etwas "arschig" an einer Vorauswahl teilzunehmen, wenn nicht der Wille da ist das auch durch zuziehen - ich glaube er wurde nicht gezwungen, oder wollte er nur etwas Geld abkassieren.

  • Bravo..Andres Kümmert hat gezeigt, dass es Menschen gibt die zwar was Können, aber oft nicht das Herz oder die Kraft haben um ganz oben zu stehen.

    Ihnen sollte mal Medial ein Denkmahl gesetzt werden.

  • Wenn schon ein schlechtes Wortspiel in der Überschrift, dann "kümmert" auch bitte klein schreiben

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