EU-Chefdiplomat
Solana bekommt den Karlspreis

Der EU-Chefdiplomat Javier Solana wird diesen Donnerstag für seine Friedensbemühungen in der Welt mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Er ist der zweite aus seiner Familie: Sein Großonkel hatte den Preis 1973 bekommen.

HB BRÜSSEL. Manchmal sieht Javier Solana so aus, als trage er die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern. Wenn der EU-Außenbeauftragte wieder einmal von einer Reise in den Nahen Osten oder einem Treffen mit dem Chefunterhändler für das iranische Atomprogramm, Ali Laridschani, zurückkehrt, dann sieht man dem 64-Jährigen sein Alter deutlich an. Solana ist ein zäher Verhandlungsführer, aber ein Pokerface hat er nicht. Ob ein Gespräch gut oder schlecht gelaufen ist, ist für Brüsseler Journalisten meist schon an seiner - mal mehr, mal weniger hektischen - Sprechweise zu erkennen.

Trotzdem: In der Sache bleibt der oberste EU-Diplomat stets besonnen. Am deutlichsten wird das vielleicht an seinen Verhandlungen mit dem Iraner Laridschani. Mindestens zehn Mal haben sich die beiden seit März vergangenen Jahres persönlich getroffen, ein Erfolg blieb bislang aus - weshalb Solana im September zunächst beschloss, auf weitere Zusammenkünfte zu verzichten. Zugleich hielt der Spanier aber stets die Tür für weitere Verhandlungen offen, und ungeachtet der von der EU mitgetragenen UN-Sanktionen gegen den Iran riss der Gesprächsfaden nie ganz ab: In diesem Jahr kamen wieder zwei Treffen zustande, nach dem letzten sprach Solana von „Fortschritten“.

Dass die EU-Außenminister, die sonst immer wieder gern nationale Alleingänge unternehmen, diese Verhandlungen mittlerweile ganz ihrem Außenbeauftragten überlassen - das ist vielleicht sein größter Erfolg. Schließlich wurde der Hohe Vertreter der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, so sein offizieller Titel, 1999 genau zu dem Zweck berufen, der EU auf der internationalen Bühne ein Gesicht zu geben. Als „Mr. GASP“, so das englische Kürzel für den langen Titel, ist Solana mittlerweile tatsächlich bei Regierungen weltweit bekannt.

Dass die EU nun außenpolitisch mit einer Stimme spräche, kann man trotzdem nicht sagen: Meistens melden sich neben Solana mindestens noch die EU-Ratspräsidentschaft und die EU-Kommission zu Wort. Das könnte sich ändern, wenn die im vorerst gescheiterten EU-Verfassungsvertrag vorgesehenen Reformen doch noch vor Ablauf seiner Amtszeit im Juli 2009 in Kraft treten. Dann nämlich würde Solana zum ersten Außenminister für die gesamte EU.

Die Stadt Aachen will seine Verdienste schon jetzt würdigen und verleiht ihm am Donnerstag den Internationalen Karlspreis - der damit übrigens erstmals an zwei Mitglieder derselben Familie geht: Solanas Großonkel, der Philosoph und Soziologe Don Salvador de Madariaga, erhielt die Auszeichnung im Jahr 1973.

Die Preisverleihung an Solana begründete die Jury ausdrücklich auch mit Solanas persönlicher Biografie. Schon als Student schloss er sich dem Widerstand gegen die Franco-Diktatur an, weshalb er von der Uni flog und sein Studium in den Niederlanden, Großbritannien und den USA fortsetzte. Nach Spanien zurückgekehrt, verlor er wegen seiner Zugehörigkeit zur damals verbotenen Sozialistischen Partei sogar seinen Job. Europa, so sagte der zweifache Vater kürzlich der „Zeit“, sei für ihn damals „das Synonym für Demokratie“ gewesen.

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