Europa leidet an den hohen Temperaturen
Hitzewelle heizt Probleme an

Europa ächzt unter der Hitze dieses Sommers. Stromversorger müssen ihre Leistungen herunterfahren, Feuerwehrleute kämpfen von Portugal bis Deutschland gegen Flammen. Endlich sagen Meteorologen zumindest Deutschland ein wenig Abkühlung voraus.

HB DÜSSELDORF. Der Sommer in Deutschland hält auch weiterhin strahlenden Sonnenschein und Hitze bereit. Heute kann das Thermometer auf Temperaturen von 28 Grad an der Nordseeküste und bis zu 40 Grad am Oberrhein klettern. Zwar erwartet der Bochumer Wetterdienst Meteomedia etwas Abkühlung für das kommende Wochenende. Die Hitzeperiode hat allerdins bereits in ganz Europa ihre Spuren hinterlassen.

In Frankreich befürchten Experten Stromausfälle wegen der andauernden Hitze. Die Regierung hat deshalb zur Sicherung der Stromversorgung am Montag die Temperatur-Grenzwerte für die Ableitung des Kühlwassers der französischen Atomkraftwerke in die Flüsse vorübergehend heraufgesetzt. In dieser Woche dürfte die Versorgung zwar gesichert sein, sagte der Vorsitzende des staatlichen Stromversorgers EDF, François Roussely. EDF werde die am Montag von der Regierung beschlossenen Ausnahme-Regelungen allerdings „nur sparsam“ nutzen, wonach Kernkraftwerke die Flüsse und das Meer durch die Ableitung von Kühlwasser weiter aufheizen dürften.

Einzelne Atomkraftwerke in Frankreich mussten bereits ihre Produktion drosseln, um mit ihrem lauwarmen Kühlwasser Flüsse und das Meer nicht noch mehr aufzuheizen. Die französische Stromproduktion liegt zur Zeit 20 Prozent unter der Gesamtkapazität von 100 000 Megawatt. Die zum Ausgleich sonst üblichen Strom-Importe aus anderen Ländern sind derzeit nicht möglich, weil ganz Europa von Trockenheit und Hitze betroffen ist.

Deutsche Atomkraftwerke laufen weiter

In Deutschland wird die langanhaltende Hitzewelle nach Auskunft des Stromkonzerns Vattenfall Europe in den deutschen Kraftwerken dagegen wohl keine Stromausfälle zur Folge haben. „Wir sehen keinerlei Gefahr für die Stromversorgung“, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Berlin. Die Versorgung sei sicher gestellt. Vattenfall Europe betreibt in Deutschland insgesamt fünf Braunkohle- und Atomkraftwerke in alleiniger Regie.

Wie einige Werke in Frankreich arbeiten die beiden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel an der Elbe jedoch seit vergangener Woche mit geringerer Leistung. Nach Auskunft des Firmensprechers gibt es noch keinen Termin, wann sie wieder auf volle Kraft hochgefahren werden. Die Aufheizung der Flüsse führt auch hier in vielen Kraftwerken zu einem Mangel an Kühlwasser

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Waldbrände in Deutschland - Feuerwehren arbeiten bis in die Nacht

Die extremen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit verursachen zudem zahlreich Waldbrände in ganz Europa. Auch in Deutschland waren die Feuerwehren in der Nacht zum Dienstag in mehreren Regionen bei einigen großen Waldbränden im Einsatz. Nach der Hitzewelle der vergangenen vier Wochen brachen am Montag unter anderem Feuer im Süden Brandenburgs und im Harz aus, die sich schnell ausbreiteten.

So dehnten sich die Flammen in Brandenburg auf bis zu 100 Hektar Wald und Ödland aus - eine Fläche von 136 Fußballfeldern. Im Harz brannten Bäume auf 7 Hektar wie Zunder, berichtete die Polizei in Goslar. Mehrere Feuerwehrleute wurden verletzt. Bis zum Morgen waren die Feuerwehren an beiden Orten mit Löscharbeiten und Brandwachen im Einsatz. Auch in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen kam es zu mehreren Waldbränden, die die Feuerwehrleute jedoch schnell in Giff bekamen.

Buschbrände wüten weiter in Südeuropa - Zwei Hitzetote in Italien

Noch heftiger als in Deutschland wüten die Waldbrände in den südeuropäischen Ländern. Schwere Brände gab es am Montag auf Sardinien. An der Costa Smeralda musste ein Campinplatz evakuiert werden, berichtete das italienische Fernsehen. Außerdem hätten die Flammen ein Hotel bedroht. Auch auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika sowie in Spanien und Portugal toben nach wie vor schwere Wald- und Buschbrände. Erstmals wurden am Montag auch in Italien Hitzetote gemeldet. In Mailand seien zwei ältere Menschen an den direkten Folgen der hohen Temperaturen gestorben, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

In Umbrien, in der Nähe von Neapel und in Piemont flogen Löschflugzeuge weiter Einsätze gegen die Flammen. Mehrere Brandstifter wurden festgenommen. Experten gehen davon aus, dass eine „Waldbrand-Mafia“ hinter den Feuern steckt. Wälder würden angezündet, um Bauland zu gewinnen oder um an der Wiederaufforstung zu verdienen. In Portugal, wo in den vergangenen zwei Wochen bereits 15 Menschen bei Waldbränden getötet wurden, breitet sich ein Großfeuer in der Ferienregion Algarve im Süden des Landes immer weiter aus. „Das Feuer ist außer Kontrolle“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Mehrere Dörfer wurden wegen der seit drei Tagen wütenden Waldbrände evakuiert. Die portugiesischen Löschmannschaften baten die Feuerwehr im benachbarten Spanien um Hilfe.

Trotz Hitze kein massenhaftes Baumsterben zu befürchten

Entwarnung gibt es dagegen für die in Deutschland heimischen Laub- und Nadelbäume. Trotz der ungewöhnlichen Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen wird es nicht zu einem verstärkten Absterben von Bäumen kommen. Das sagte der Sprecher des Fachausschusses Botanik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Bonn, Christian Berg. „Zwar werden etwa Laubbäume in diesem Jahr wegen des Hitzestresses schlechter wachsen und früher ihre Blätter verlieren, aber viele zusätzliche Todesfälle durch die Hitze sind nicht zu erwarten

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