Europas Energiemarkt
Poker mit gezinkten Karten

Auf Europas Energiemarkt ist im vergangenen Jahr eine neue, gewaltige Fusionswelle angerollt. Und diesmal mischen die nationalen Regierungen kräftig mit. Ob in Spanien, Frankreich oder Österreich - im Energiemarkt werden Grundsätze für einen europäischen Markt beiseite gewischt, wird der Protektionismus hochgehalten.

DÜSSELDORF. Die Fronten waren schnell geklärt: Spätestens als Wulf Bernotat am 21. Februar den Regierungspalast des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero wieder verließ, muss dem Eon-Chef klar gewesen sein, dass die geplante Übernahme von Endesa kein Spaziergang werden würde. Am Vormittag hatte der deutsche Branchenriese noch voller Stolz seine milliardenschwere Offerte für den größten spanischen Versorger unterbreitet. Am Abend stellte Bernotat die Pläne Zapatero vor. Dessen Reaktion fiel unmissverständlich aus: Seine Regierung werde mit aller Macht versuchen, dass wichtigste Unternehmen im Schlüsselmarkt Energie auch weiterhin in nationaler Hand zu halten.

Auf Europas Energiemarkt ist im vergangenen Jahr eine neue, gewaltige Fusionswelle angerollt. Und diesmal mischen die nationalen Regierungen kräftig mit. Ob in Spanien, Frankreich oder Österreich - im Energiemarkt werden Grundsätze für einen europäischen Markt beiseite gewischt, wird der Protektionismus hochgehalten. In Deutschland haben die Begehrlichkeiten des russischen Gasriesen Gazprom Politiker auf die Barrikaden gebracht. Für Unruhe sorgen etwa die anhaltenden Spekulationen über ein mögliches Interesse des russischen Konzerns an einem Einstieg beim Schwergewicht RWE.

Dabei ist die Triebfeder der Fusionswelle eigentlich die Liberalisierung des europäischen Energiemarktes. Europas Versorger versuchen, sich gute Ausgangspositionen zu verschaffen, wenn die nationalen Schranken endlich fallen sollten.

Eon-Chef Bernotat konnte im Februar jedenfalls nicht ahnen, wie groß der Widerstand in Spanien werden würde - seit nunmehr zehn Monaten bauen sich immer neue Hürden auf. Die Regierung, die eine Fusion von Endesa mit dem konkurrierenden Bieter Gas Natural unterstützte, erließ eigens ein Dekret, das die Energieaufsicht ermächtigte, Eons Offerte zu prüfen und zu blockieren. Das Anliegen war ihr sogar so wichtig, dass sie einen Konflikt mit der EU-Kommission provozierte, die in der Blockadepolitik einen klaren Verstoß gegen EU-Recht sieht.

Inzwischen hat die spanische Regierung zwar die meisten der gegen Eon verhängten Auflagen wieder gekippt und ihren offenen Widerstand aufgegeben; hinter den Kulissen arbeitet sie aber offenbar weiter eifrig gegen den deutschen Konzern. Der Mischkonzern Acciona, der sich überraschend in den Bieterkampf eingemischt hat und Eon das Leben schwer macht, soll von Zapateros Wirtschaftsberater Miguel Sebastián ermutigt worden sein, heißt es in Branchenkreisen. Die Übernahme hängt inzwischen in den Mühlen des spanischen Übernahmerechts fest - ob Eon letztlich zum Zuge kommt oder Endesa doch in spanischen Händen bleibt, ist völlig offen.

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