Eurovision Song Contest
Griechin schreit mit einem Lied um Hilfe

Ein politisches Signal beim Eurovision Song Contest. Griechenland liefert den Soundtrack der Krise: In „One Last Breath“ geht es um die Misere des Landes. Die Ballade ist ein versteckter Hilfeschrei an Europa.
  • 3

DüsseldorfDie große Show beginnt: Conchita Wurst eröffnete am Montagabend in der österreichischen Hauptstadt den 60. Eurovision Song Contest (ESC). Am Samstag kämpfen in Wien 40 Nationen um die ESC-Krone. Der offizielle „Hashflag“ (Zusammensetzung aus „Hashtag“ und „flag“: englisch für Flagge) wurde bereits am Dienstag eingeführt: Jeder Teilnehmer bekommt einen eigenes Twitter-Zeichen in Herzform.

Doch nicht nur die Twitter-Herzen sorgen für Aufmerksamkeit im Vorfeld der großen Show: Das erste Halbfinale hatte es bereits in sich – auch in politischer Hinsicht. Der griechische Beitrag von Maria Elena Kyriakou greift offenbar die aktuelle Krise ihres Landes rhetorisch versteckt auf.

Mit dem Song „One Last Breath“ will Kyriakou anscheinend die Verhältnisse in ihrem Land anprangern. Schon der Titel passt zur Situation im Land. Die griechische Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras steht international unter Druck und muss, trotz anders lautender Wahlversprechen, weiterhin eisern sparen.

Und auch der Inhalt des griechischen ESC-Liedes spiegelt die Lage im Land wider: Sie singt von Betrug, Schmerz und Überlebenskampf. Viele Griechen fühlen sich abgehängt und von der Politik, der Europäischen Union (EU) und den internationalen Kreditgebern des Landes betrogen.

Im Text heißt es, passend zu den zähen Verhandlungen Athens mit der EU: „Ich flehe Dich an, mich aus der brennenden Hölle zu retten.“ Mit „was passiert ist, ist nicht fair“ könnte das strikte Spardiktat der internationalen Troika gemeint sein. Am Ende folgt ein langgezogenes „All that I have is one last breath“.

Der Text erscheint wie ein versteckter Hilfeschrei, stellvertretend für das gesamte griechische Volk. Gleichzeitig ist die Ballade ein geschickt getarnter Appell an die Solidarität aller Europäer. Und der Erfolg gibt dem Song recht: Am Dienstagabend qualifizierte sich Kyriakous Song für das ESC-Finale am Samstag in Wien.

Kommentare zu " Eurovision Song Contest: Griechin schreit mit einem Lied um Hilfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist mit Sicherheit kein Hilfeschrei an Europa, sondern wieder einmal eine neue unverschämte Finte, um billig anderen Leuten ihr Geld aus der Tasche zu ziehen.

  • Die Griechen haben sich ihre Regierungen selber gewählt. Entweder sie stehen dazu, das als Erwachsene getan zu haben und die Konsequenzen ihres Tuns aushalten. Oder sie sollten danach rufen, wie Kinder an der Hand genommen zu werden.

    Ansonsten: Die Griechenland-Krise gibt es seit 5 Jahren. Zeit genug, seinen Kindern ausreichend Deutsch-Unterricht angedeihen zu lassen und sie zur Ausbildung nach Deutschland zu schicken. Wie es hier zugeht, können sie bei ihren Großeltern erfahren. Oder beim Onkel, der schon seit Jahrzehnten hier lebt.

    So lange es bei uns weniger als 30.000 griechische Lehrlinge gibt, nehme ich die Klagen aus Griechenland nicht wirklich ernst.

  • Zitat: "Sie singt von Betrug, Schmerz und Überlebenskampf"
    Das alles passt auch sehr gut zu einer betrogenen Ehefrau :-)

    und
    es war Griechenland das die Schulden vor Jahren gemacht hat. Für was auch immer der griechische Staat das Geld damals ausgegeben hat, es war eine demokratisch gewählte Regierung. Nun muss das ganze Volk darunter leiden.

    Auch die Deutschen leiden seit Jahrzahnten unter einer Regierung die durch Putsch an die Macht kam 1933.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%