Ex-Bankerin steigt aus
Die Lehman-Mutter

Wie das Leben einer Drogenabhängigen war die Zeit, die sie bei Lehman Brothers verbrachte. Heute ist die ehemalige Finanzchefin Erin Callan arbeitslos – aber glücklich: Sie möchte ein Kind bekommen.
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New YorkAls Erin Callan, ehemalige Finanzchefin bei Lehman Brothers Holdings Inc. und spätere Hedgefonds-Beraterin bei Credit Suisse Group AG, im Mai aus ihrem riesigen Haus in East Hampton bei New York auszog, parkten sie und ihr Mann einen Container vor der Tür. In diesem landete alles, was sie in ihrem drastisch kleineren Heim nicht mehr unterbringen konnten.

Callan befand sich im fünften Jahr eines Übergangs, in dem sie von einer der bekanntesten und am meisten geschmähten Wall-Street-Managerinnen zu einer arbeitslosen Person wurde.

„Ich hatte ein großartige Karriere“, sagt sie - während sie auf der Terrasse ihres kleinen Häuschens auf Shelter Island sitzt. Hier leben sie und ihr Mann Anthony Montella nun für einen Teil des Jahres, wenn sie nicht gerade ihre Zeit in Florida verbringen. „Es war berauschend, wirklich. Ich konnte die Welt sehen. Ich konnte ein paar unglaublich nette Menschen aus allen Ecken des Lebens treffen.“ Sie versucht, sich an diese Zeit zu erinnern, und nicht an die letzten sechs Monate ihrer Karriere, die sehr schwierig waren.

Callan hatte Ende 2007 bei Lehman den Finanzchef-Posten bekommen. Als sie noch dabei war, den Konzern kennenzulernen, musste sie ihn plötzlich gegen Leerverkäufer verteidigen. Sie verließ die US-Großbank im Juli 2008, als es um die Investmentbank immer dunkler wurde. Sie ging stattdessen zur Credit Suisse Group AG, wo sie eine Sparte für die Hedgefonds- Beratung führen sollte. Es wurde ein kurzes Gastspiel. Im 2009 kehrte sie der Branche ganz den Rücken.

„Es mag wie eine lange Zeit vorkommen, fünf Jahre“, sagt Callan. „Ich brauchte so lange, um zu verstehen, was mein Leben war und wie mein Leben in der Zukunft sein sollte.“ Im Moment arbeitet die 47-Jährige daran, schwanger zu werden. Ein Baby zu bekommen, dass hatte sie während ihrer raketenhaften Karriere immer nach hinten geschoben.

Die Erleuchtung kam ihr an einem Tag in 2013, als Sheryl Sandberg - die bei Facebook Inc. im Vorstand sitzt - Frauen dazu aufforderte, ihre Karrieren nicht durch Kinder aus der Bahn werfen zu lassen.

„Ich saß einfach nur im Bett an einem Morgen, und ich sagte zu Anthony 'Weißt Du was? Ich habe das Gefühl, ich muss etwas sagen'“, erinnert sie sich. Sie schrieb ein 800 Wörter langes Meinungsstück und schickte es an eine generische Adresse der New York Times. Der daraus resultierende Artikel „Gibt es ein Leben nach der Arbeit?“ erschien am 9. März.

Kommentare zu " Ex-Bankerin steigt aus: Die Lehman-Mutter"

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  • "Im Moment arbeitet die 47-Jährige daran, schwanger zu werden."

    Arbeit darf ja auch mal Spaß machen. Hoffentlich.

  • Ja, tut mir echt leid die arme Banksterin.

  • Ein Kind mit 47? Das wird genauso enden wie Ihre Bank- "Karriere". Im Desaster.
    Noch so eine gescheiterte amerikanische "SUPERMANAGERIN",
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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