Exklusiv-Vertrag mit RTL
Marco W. taucht erstmal ab

Zwei Tage nach der Entlassung von Marco W. aus türkischer Untersuchungshaft wird der Fernsehsender RTL am Sonntag (22.30 Uhr) das erste ausführliche Interview mit dem 17-jährigen Schüler austrahlen. Der Schüler ist nämlich nicht einfach nur nach Hase geflogen – er hat dem Privatsender die exklusiven Fernsehrechte seiner Heimkehr-Geschichte verkauft.

dpa UELZEN/HANNOVER. „Ich bin überglücklich, dass ich mit meiner Familie wieder zusammen bin, mit meiner Mutter und meinem Vater und dass ich mit meiner Familie Weihnachten feiern kann“, hatte er bereits am Samstag dem Nachrichtensender n-tv gesagt. Außerdem dankte der 17-Jährige aus Uelzen in Niedersachsen den Menschen, die ihn während der gut acht Monate dauernden Haft unterstützt hatten. „All das hat mir sehr viel Kraft gegeben, und dafür bedanke ich mich sehr.“

Zuvor hatte ein Gericht im türkischen Antalya Marco ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Nach 247 Tagen im Gefängnis war Marco am frühen Samstagmorgen mit einem Privatjet auf dem Nürnberger Flughafen gelandet. Er verließ den Airport gemeinsam mit Begleitern in einer Limousine mit unbekanntem Ziel. Über seinen Aufenthaltsort konnten weder die Polizei in Nürnberg noch ein Flughafensprecher Angaben machen.

Ein Sprecher des Privatsenders RTL, zu dem auch der Nachrichtenkanal n-tv gehört, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, RTL-Mitarbeiter hätten Marco auf dem Flug begleitet. Der Privatsender halte die exklusiven Fernsehrechte. Zum Aufenthaltsort wurden keine Angaben gemacht.

Noch in Antalya hatte Marcos Anwalt Michael Nagel mitgeteilt, dass der Jugendliche erst einmal nicht in seine niedersächsische Heimatstadt Uelzen zurückkehren werde. Sein größter Wunsch sei es, mit seiner Familie allein zu sein und sich eine Woche lang von seiner Mutter verwöhnen zu lassen, sagte Nagel. Der nächtliche Heimflug kam für viele Beobachter überraschend.

Marco soll während eines Osterurlaubs in der Türkei die 13 Jahre alte Britin Charlotte sexuell missbraucht haben, was er aber bestreitet. Der Prozess soll am 1. April in Antalya fortgesetzt werden. Deutsche Politiker reagierten mit Freude auf die Freilassung, wegen der langen Verfahrensdauer aber zum Teil auch mit Kritik an der türkischen Justiz.

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