Exodus der "Gaijin": Ausländer fliehen aus Japan

Exodus der "Gaijin"
Ausländer fliehen aus Japan

Während der Großteil der japanischen Bevölkerung angesichts der drohenden Katastrophe ruhig bleibt, wollen viele Ausländer einfach nur noch raus aus Japan. Die Ausreise wird für "Gaijin" aber zunehmend unerschwinglich.
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Der Kontrast könnte nicht größer sein. In der Bahnhofshalle in Kyoto ist es ein Tag wie jeder andere. Lachende Schülerinnen in ihren Faltenröcken und Kniestrümpfen vergleichen ihre neuesten Schnäppchen. Nur wenige Meter weiter am Bahnsteig 30 drängen sich nervöse Gaijins - also Ausländer - in den Flughafenexpress nach Osaka.

Sie wollen nur eins - raus aus Japan nach der Erdbebenkatastrophe und der Strahlungsgefahr, die vom beschädigten Kernkraftwerk Fukushima Eins ausgeht.

„Es ist wie in so einem Katastrophenfilm. Ich hab mir früher immer gedacht, so was passiert doch nicht“, sagt eine Reisende. Die Italienerin versucht nun mit ihren zwei Töchtern Japan zu verlassen. Ihr deutscher Mann bleibt vorerst zurück. „Wir haben gestern gesagt - wir müssen hier raus. Wegen der Kinder.“

„Es ist alles so schade. Wir waren erst seit zwei Monaten hier und hatten uns gerade eingelebt“, sagt sie. Die siebenjährige Marlene sieht die positive Seite: „Ich vermisse immer noch meine Freundin in Deutschland. Die sehe ich ja jetzt wieder.“

„Das Risiko zu bleiben, ist es einfach nicht wert“, meint der US-Bürger Frank, der seine Zelte in der Stadt Nagoya abgebrochen hat. „Man kann die Strahlung nicht sehen und nicht fühlen.“ Am Kansai Flughafen in Osaka herrschen - typisch Japanisch - Ruhe und Gelassenheit. Verglichen mit Bildern aus der Krisenregion wirkt die Stimmung beinahe surreal. Kein Gedränge, klassische Musik klingt sanft aus den Lautsprechern in der Abflugshalle, Reisende sitzen bei Kaffee und Kuchen.

Allerdings sind viele Flüge dicht, die Wartelisten lang. Noch dazu sind die Flugpreise laut Angaben von Reisenden und europäischen Botschaften massiv gestiegen; das vielleicht rettende Ticket ist nicht bezahlbar. „Das ist echt eine Schweinerei“, sagt eine deutsche Reisende. Eine Fluglinie verlangte mehr als 5000 Euro für ein Ticket nach Asien. Ein Lufthansa-Flug bringt sie nun erheblich günstiger nach München.

Auch manchen Japanern wird die Lage im Atomkraftwerk Fukushima mittlerweile zu brenzlig. Sie schlagen sich per Zug, Bus oder Auto in den Südwesten und nach Kyushu durch, der südlichsten der vier Hauptinseln Japans. Kyushu gilt als sicher.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat seinen Stipendiaten im Großraum Tokio empfohlen auszureisen. Der DAAD trage die Kosten für die Heimreise, teilte eine Sprecherin am Mittwoch in Bonn mit. Vor der Katastrophe hätten sich 105 Studenten und Wissenschaftler mit einem DAAD-Stipendium in Japan aufgehalten. Wie viele davon das Land bereits verlassen haben, konnte die Sprecherin nicht sagen. Drei Stipendiaten, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Sendai befanden, sind bereits vom Technischen Hilfswerk zunächst nach Tokio gebracht worden und konnten von dort ausreisen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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