Experiment in Baden-Württemberg

Ein Jahr mehr Lebenszeit für eine ganze Stadt

Ein Lebensjahr mehr – wer will das nicht? Die Menschen im Baden-Württembergischen Gaggenau sollen es bekommen. Jedenfalls ist das der Plan einiger Forscher. Das auf acht Jahre angelegte Projekt ist bislang einzigartig.
Die Kleinstadt in Baden-Württemberg wird zum Schauplatz eines achtjährigen wissenschaftlichen Feldversuches über günstige Bedingungen für eine höhere Lebenserwartung. Quelle: dpa
Gaggenau

Die Kleinstadt in Baden-Württemberg wird zum Schauplatz eines achtjährigen wissenschaftlichen Feldversuches über günstige Bedingungen für eine höhere Lebenserwartung.

(Foto: dpa)

GaggenauForscher wollen in einer badischen Kleinstadt den Schlüssel zu einem langen Leben finden. Acht Jahre lang soll in Gaggenau (Kreis Rastatt) ausgelotet werden, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen. „Noch nie konnte in einem Feldversuch dieser Größe ein solches Unterfangen umgesetzt werden“, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Das Projekt in der 30.000-Einwohner-Kommune steht unter dem Motto „Ein gutes Jahr mehr“.

Die Wissenschaftler wollen verschiedene Maßnahmen in Kitas, Schulen, Senioreneinrichtungen und bei ansässigen Betrieben testen. Es geht beispielsweise um städtische Strukturen, mit denen Ältere vor Vereinsamung bewahrt werden können. Oder um eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt. Hinter dem Projekt stehen die Uni-Kliniken in Mannheim und Tübingen sowie das Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit.

„Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme“, sagte Joachim Fischer von der Medizinischen Fakultät Mannheim. Anfang kommenden Jahres wollen die Forscher der Kommune erste Vorschläge machen. „Es geht um mehr Gesundheit und mehr Lebensfreude.“ Es sollen alle Bevölkerungsgruppen vom Baby bis zum Senior einbezogen werden.

Wo Kids saufen, kiffen und glücklich sind
WHO-Studie
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Schulhofprügeleien, Fernsehgucken und Alkoholkonsum – die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Leben von Jugendlichen in Dutzenden Ländern beleuchtet. Die Studie in Schlagworten:

Quelle: dpa

Deutschland
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Deutsche Jugendliche liegen in den meisten Kategorien im Mittelfeld. Es gibt aber einige Ausreißer: So verbringen 13- und 15-Jährige nach der Schule und vor 20 Uhr wenig Zeit mit Freunden. Bei den Mädchen tun dies nur 13 Prozent, bei den Jungen 16 beziehungsweise 18 Prozent.

Schule
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Es gibt wenige Länder, in denen Elfjährige lieber zur Schule gehen als in Deutschland - immerhin mehr als die Hälfte mag die Schule sehr. Doch dann setzt rasch Ernüchterung ein: Bei den 13-Jährigen sagt das nur noch rund ein Viertel, bei den 15-Jährigen ein knappes Fünftel aller Befragten.

Zufriedenheit
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Die glücklichsten Elfjährigen kommen unter den untersuchten Ländern aus Albanien. Etwa 95 Prozent dort sind sehr zufrieden mit ihrem Leben. Mit zunehmendem Alter sinkt diese Zahl aber leicht - und unter den 15-Jährigen liegt Armenien vorne.

Körperliche Auseinandersetzungen
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Die meisten Kämpfe in der Altersklasse der 11-Jährigen tragen französischsprachige Belgier aus. Bei den 13- und 15-Jährigen führen armenische Jungen die Statistik an. Jeweils 36 Prozent meldeten mindestens drei körperliche Auseinandersetzungen in den vergangenen zwölf Monaten.

Verhütung und Schutz vor Sexualkrankheiten
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In der Schweiz schützen sich die meisten 15-Jährigen (80 Prozent der Mädchen, 82 Prozent der Jungen) mit Kondomen vor Sexualkrankheiten. Die niedrigsten Raten weist Polen auf (24 Prozent Mädchen, 28 Prozent Jungen). Bei der Nutzung der Pille (separat abgefragt) als Verhütungsmittel beim letzten Geschlechtsverkehr führt Deutschland die Statistik an (69 Prozent der Mädchen, 62 Prozent der Jungen).

Alkohol
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In Armenien trinken 16 Prozent der 11-jährigen Jungen mindestens ein Mal pro Woche Alkohol, knapp gefolgt von ihren israelischen Altersgenossen mit 15 Prozent. Bei den Mädchen führen Moldauerinnen und Armenierinnen die Statistik mit 6 Prozent an.

Das Experiment fußt auf Erkenntnissen, dass nur ein umfassendes Konzept Unterschiede ausgleichen kann, die sich beispielsweise aus der sozialen Herkunft ergeben. Soll heißen: Nur wenn sich mithilfe verschiedener Maßnahmen die Lebens- und Arbeitswelt insgesamt verändert, können Ungleichheiten ausgebügelt werden. Es bewirke wenig, lediglich auf Einzelpersonen oder einzelne Familien zu schauen, sagte Fischer.

Das Projekt wird in den kommenden Jahren mit rund 350.000 Euro jährlich aus Landemitteln finanziert.

  • dpa
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