Expo hofft auf 18 Millionen Besucher und schwarze Zahlen
Japans Blick in die Zukunft

Das graue Lenkrad bewegt sich wie von Geisterhand nach links und rechts. Über kleine silberne Magnetmarkierungen, in der Straße eingelassen, findet der futuristische Bus ohne Fahrer seinen Weg. Die drei Fahrzeuge der Kolonne sind elektronisch, für den Passagier unsichtbar, aneinander gekoppelt und lassen sich auf Knopfdruck wieder trennen.

HB NAGAKUTE. Auf Straßen ohne Magnete übernimmt einfach ein Fahrer das Steuer. So könnte ein Transportsystem der Zukunft aussehen. Auf dem Gelände der Weltausstellung in der japanischen Präfektur Aichi fährt es jetzt schon einmal für ein halbes Jahr.

Fünf Jahre nach der Weltausstellung in Hannover startet am kommenden Freitag die Expo 2005 in Japan. Unter dem Motto „Weisheit der Natur“ will sie dem Besucher einen Blick auf Umwelt und Techno-logie von morgen bieten. Auf fast 200 000 Quadratmetern präsentieren sich 121 Länder, ein knappes Dutzend Unternehmen oder Verbände und die japanischen Organisatoren. 35 Jahre nach der letzten japanischen Expo in Osaka, die noch im Zeichen des wirtschaftlichen Hochwachstums stand, will sich Japan der Welt als fortschrittliche Nation mit Innovationen für die Zukunft präsentieren und das Image von Rezession und Stillstand abschütteln.

Gleich am Eingang begrüßt Roboterdame Actroid den Besucher. Im hellgrünen Kostüm sitzt sie in einer Box und soll einfache Fragen auf Japanisch, Englisch oder Chinesisch beantworten. Doch auch wenn Actroid kurz vor der Marktreife stehen soll, klappt es mit der Kommunikation noch nicht so ganz. „Wo ist die Toilette?“, fragt die Besucherin. Und Actroid antwortet: „Oh, danke. Das ist sehr nett.“ Ob Putzroboter Suippi oder der Spielroboter PaPe-Ro für Kinder – die Aichi-Expo steht im Zeichen der Roboter. Japan ist führend auf dem Gebiet und fast jedes große Unternehmen des Landes entwickelt an seinem Roboter. Im Toyota-Pavillon führen einige ein Roboter-Konzert auf.

Japans größter Autobauer hat seinen Firmensitz in Toyota-City in der Aichi-Präfektur und dominiert die Wirtschaft der drittgrößten Wirtschaftsregion Japans. So wird die Weltausstellung auch scherzhaft Toyota-Expo genannt. Ex-Firmenchef Shoichio Toyoda ist Chairman der Expo-Vereinigung – und viele Sponsoren haben nur mit Blick auf den Autobauer in die Tasche gegriffen. Die Organisatoren schätzen die direkten Kosten der Expo auf umgerechnet 2,5 Mrd. Euro und hoffen, ohne Verluste abzuschließen. 15 Mill. Besucher werden erwartet, davon die meisten aus Japan, jedoch auch einige aus China und Korea. Die verlustreiche Expo in Hannover zählte 18 Mill. Besucher.

Wie Hannover zeigt auch die Aichi-Expo, dass es eine Weltausstellung mit einem so breiten Motto schwer hat in Zeiten der Globalisierung und Spezialisierung. Hochauflösendes Fernsehen, 360-Grad-Kino und Spezialeffekte, begrünte Wände, Brennstoffzellen, Mini-Chips und Roboter mischen sich zu einem diffusen Hauch von Zukunft, der inspirierend sein mag, wenn man nicht stundenlang in Warteschlangen vor den Pavillons steht. Viele kleinere Länderpavillons bieten zudem nicht viel mehr als eine nette Reisebürodekoration. Da gehört der deutsche Pavillon, eine der aufwendigeren Präsentationen, zu den positiven Ausnahmen. Er will spielerisch die Welt der Bionik zeigen, in der die Natur als Vorbild für Produktinnovationen dient: Vom Schwimmanzug, der der Haifischhaut nachempfunden ist, bis zum Motorrad, dessen Aerodynamik steigt, weil ein Pinguinkörper als Vorbild dient.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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