Extremsurfer in Portugal
Die Sucht nach der perfekten Mega-Welle

Der kleine Ort Nazaré wird derzeit zum Mekka für Adrenalin-Junkies: Der Extrem-Surfer Andrew Cotton wollte einen neuen Weltrekord aufstellen und eine Riesenwelle bezwingen. Der Versuch kostete ihn fast das Leben.
  • 0

DüsseldorfWas die meisten fürchten, zieht sie an: Die Surf-Elite pilgert derzeit in den kleinen Fischerort Nazaré an der portugiesischen Atlantikküste. Dort schlagen Megawellen an die Küste, fast 30 Meter hoch, mit gewaltiger Zerstörungskraft. Die Extrem-Touristen fürchten sie nicht. Sie wollen den ultimativen Kick, sie jagen durch den lebensgefährlichen Kanal aus Wassermassen. Sie bieten den Zuschauern am Strand ein Mega-Spektakel.

Andrew Cotton hätte seinen Ritt der Monsterwelle fast mit dem Leben bezahlt. Er wollte den Weltrekord von Garrett McNamara (45) knacken, der 2013, ebenfalls in Nazaré, eine 30-Meter-Welle bezwang. Doch er scheiterte.

„Es war an der Grenze zum Unsurfbaren“, sagte der Surfer Cotton. Er war an Wand gestürzt. Die Welle, die höher gewesen sein könnte als 30 Meter, drohte ihn zu verschlucken. Wie durch ein Wunder erreichte er unverletzt das Land, gestand aber ein, es sei „ziemlich schlimm“ gewesen.

Augenzeugen berichteten laut der britischen International Business Times, dass die Welle größer war, als alle, die McNamara oder Cotton selbst jemals bezwungen haben. „Ich raste immer schneller die Welle hinunter. Ich kam gar nicht unten an. Es schob mich immer weiter“, sagte Cotton nach seinem waghalsigen Weltrekordversuch der BBC.

Um aus den gewaltigen Wassermassen an die Oberfläche zu kommen, nutzte er seine selbstaufblasende Rettungsweste. Damit gelang er nach oben und sein Begleiter auf dem Jet-Ski zog ihn aus dem Wasser.

Einen neuen Weltrekord könnte der 34-Jährige trotz allem gestellt haben – allerdings bereits im vergangenen Herbst. Eine Jury des Billabong XXL-Awards – ein dem Kleidungshersteller gesponserter Wettbewerb um den Ritt auf der höchsten Welle – muss das Filmmaterial von damals auswerten und entscheiden, ob Cotton die Marke des Hawaiianers McNamara geknackt hat. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Extremsurfern, die auch befreundet sind.

McNamara sagte damals: „Das war eine große Herausforderung. Man musste sich schon konzentrieren. Wir hätten leicht gegen die Küstenfelsen geschmettert werden können, und dann weiß ich nicht, ob wir das heil überstanden hätten."

Cotton ist dennoch stolz auf seinen Ritt vom Wochenende: „Für mich fühlte sich die Welle wie etwas an, das ich noch nie zuvor gesehen habe. Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass das eine Welle war, von der Surfer vor zehn Jahren nicht zu träumen wagten – wie das wohl in zehn Jahren sein wird?“. Ob das auch die Schiedsrichter des Billabong XXL-Awards so sehen, wird sich zeigen, nachdem sie die Bilder ausgewertet und die Höhe der Welle bestimmt haben.

Kommentare zu " Extremsurfer in Portugal: Die Sucht nach der perfekten Mega-Welle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%