Exzesse im Fall Schumi
Die notorisch überreizte Medienbranche

Die Nachricht, dass es Michael Schumacher wieder besser geht, verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Doch seine Managerin Sabine Kehm bittet die Medien um Zurückhaltung nach der Belagerung in den vergangenen sechs Monaten.
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Schumi und die Medien – das war seit dem schweren Ski-Unfall des Formel 1 Rekord-Weltmeisters eine schwierige Beziehung. Lange wurde das Krankenhaus in Grenoble, in dem Schumacher mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Koma lag, von Medien regelrecht belagert. Gerade Online-Medien wurden wegen teils komplett sinnfreier “Schumi-Live-Ticker” stark kritisiert, die jede Nicht-Nachricht zu Schumachers Gesundheitszustand zu immer neuen Schein-Nachrichten aufbliesen.

Der Wunsch der Medien, nach einer echten Neuigkeit in Sachen Schumacher sorgte dafür, dass eine Falschmeldung von Schumachers Erwachen aus dubiosen Quellen um die ganze Welt ging. Schumachers Ehefrau Corinna hatte vor dem Krankenhaus persönlich Journalisten dazu aufgerufen, zu gehen: “Bitte lassen Sie auch unsere Familie in Ruhe.”

Nun ist Michael Schumacher tatsächlich aufgewacht und die Medien stürzen sich erneut auf Schumi-News. Bild meldet bereits atemlos, dass Bild “weiß”, dass er seine Augen geöffnet hat. Es steht zu befürchten, dass jedes Zucken von Schumachers Mundwinkeln Nachrichtenwert beigemessen wird. Schumachers Managerin Sabine Kehm ließ folgendes Statement verbreiten:

“Michael hat das CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen. Er ist nicht mehr im Koma. Seine Familie möchte sich ausdrücklich bei allen behandelnden Ärzten, Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble ebenso wie bei den Ersthelfern am Unfallort bedanken, die in diesen ersten Monaten hervorragende Arbeit geleistet haben.”

Und weiter: “Der Dank der Familie gilt auch all den Menschen, die Michael so viele gute Wünsche gesendet haben. Sie haben ihm sicher geholfen. Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll.”

Vor allem den letzten Satz sollten sich die Ticker-Spezialisten bei manchen Onlinemedien zu Herzen nehmen. Ob der Wunsch der Familie Schumacher nach Zurückhaltung diesmal respektiert werden wird, ist ein Test für die notorisch überreizte Branche, ob es in ihr noch Anstand gibt. Wir werden sehen.

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