Facebooks „Gesehen von“-Tool
Das Ende der Anonymität im Netz

Das Ende des Datenschutzes ist längst eingeläutet, jetzt brechen auch für den stillen, anonymen Beobachter harte Zeiten an. Bei Facebook werden die Spuren, die Nutzer hinterlassen, Schritt für Schritt sichtbar gemacht.
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DüsseldorfWie beim größten sozialen Netzwerk der Welt üblich, kommt die Änderung nicht von einem Tag auf den anderen, sondern Schritt für Schritt. Facebook zwingt seine Nutzer nach und nach, Spuren zu hinterlassen und zeigt diese neuerdings auch für andere an. Durch das „Gesehen von”-Tool für Gruppen lässt sich sofort sehen, wer Gruppenbeiträge gelesen hat. Eine Art Empfangsbestätigung also.

Facebook aktiviert das Tool derzeit nach und nach für alle Gruppen. Die Funktion kann hilfreich sein für Gruppen, die sich allein zu Informationszwecken gegründet haben, beispielsweise für die Hobby-Volleyballgruppe, die ihr Treffen noch schnell wegen Regens absagen muss und sich so sicher sein kann, dass auch jedes Gruppenmitglied Bescheid weiß.

Denn so bekommen die Mitglieder angezeigt, wer eine gesendete Information bereits gesehen hat. Diese Kontrolle über den Informationsstand der einzelnen Mitglieder preist Facebook an: „This way you can stay updated on the group’s activity.”  Neben dem Namen der Gruppenmitglieder, die einen Beitrag gesehen haben, wird angezeigt, wann sie ihn gesehen haben.

Was im Ausnahmefall, wie für Vereine, hilfreich sein kann, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, den Facebook - und andere soziale Netzwerke - bereits eingeschlagen haben. Verstärkt setzen diese Dienste auf Maßnahmen, die genau darüber Auskunft geben, wann welche Teilnehmer einer Interaktion oder Konversation Zugriff auf bestimmte Information hatten.

Der einschlägige Branchendienst Netzwertig.com beschreibt, dass ein Leser das Tool für einen ernsthaften Bug hielt. „In einer Gruppe des sozialen Netzwerks war ihm aufgefallen, dass sich unter sämtlichen Pinnwand-Eintragen von Nutzern eine Angabe über die Zahl der Gruppenmitglieder befand, die das entsprechende Update bereits gesehen haben, schreibt Netzwertig.com-Autor Martin Weigert.

Fährt man mit der Maus über den entsprechenden Menüpunkt, informiert Facebook im Detail über die Namen der Personen sowie den genauen Zeitpunkt, an dem sie den Eintrag zu Gesicht bekamen - ohne dass der User etwas angeklickt hat, um diese Information freizugeben.

Die Ausrede „Nachricht nicht bekommen“ zieht also künftig nicht mehr. Facebook selbst versucht den Eindruck der totalen Kontrolle denn auch nur etwas hilflos zu relativeren und erinnert daran, dass „Gesehen“ nicht gleichbedeutend mit „Gelesen“ ist: „Keep in mind that if people see a group post or message, it doesn’t always mean they had the chance to read it carefully.”

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Jedes Gruppenmitglied sieht, wann wer eingeloggt war

Kommentare zu " Facebooks „Gesehen von“-Tool: Das Ende der Anonymität im Netz"

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  • @ el-tinto:
    Falls sie mich meinen, ich hatte es einfach: In meiner Kindheit gab's den ganzen Kram noch nicht. Gespielt wurde mit realen Freunden draußen, bei Sauwetter drinnen mit einer Riesenmenge Legosteinen und ansonsten war ich eine Leseratte und bin's auch heute noch: Lieber ein gutes Buch als der ganzen Schnickschnack rund um die sozialen Netzwerke. Ich sitze oft Stunden und Stunden zwecks Bildbearbeitung und Texten am Computer, da brauche ich nicht auch noch Facebook und Co. (ungeachtet des Datenschutzproblems). Die Freizeit verbringe ich bei jedem Wetter weitgehend mit meinen Hunden draußen an der frischen Luft und lasse mir den Wind um die Nase wehen! Ist gesünder und klärt die Gedanken! :-)

  • Respekt, wenn Sie in Ihrer Kindheit und Jugend auch schon mit solcher Weitsicht agiert haben!

    Ich würde für mich selbst nicht die Hand ins Feuer legen ...

  • Helmut Kohl hat vor mehr als 20 Jahren mit dem Privat-TV die Türen zur "Spaß- und Unterhaltungsgesellschaft" weit aufgemacht. Das Ergebnis: > 90 Prozent der Deutschen sind mittlerweile weitgehend verblödet und zum reinen Konsumvieh verkommen. Denen kann man alles, aber wirklich auch alles verkaufen. Dumm ist nur, dass viele denen zu blöd sind, genug Geld zum Konsumieren verdienen zu können.

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