Fähre „Sewol“
Allen leitenden Crewmitgliedern droht Anklage

115 Menschen sind nach dem Unglück der Fähre „Sewol“ noch vermisst – doch die Strömung und die schlechte Sicht behindern die Suche. Nun sollen alle leitenden Besatzungsmitglieder wegen Fahrlässigkeit angeklagt werden.
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SeoulAllen 15 leitenden Besatzungsmitgliedern des vor anderthalb Wochen gesunkenen südkoreanischen Fährschiffs „Sewol“ droht eine Anklage wegen Fahrlässigkeit. Die Staatsanwaltschaft habe gegen vier weitere Crewmitglieder Haftbefehle beantragt, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS am Samstag. Ihnen wird – wie dem Kapitän und den anderen zehn bereits inhaftierten Besatzungsmitgliedern – vorgeworfen, keine Versuche zur Rettung der Passagiere unternommen zu haben.

Unterdessen kam den Berichten zufolge die Suche nach noch über 100 vermissten Insassen wegen der stärker werdenden Strömung und schlechter Sicht nur mühsam voran. Das Schiff war am 16. April vor der Südwestküste Südkoreas mit 476 Menschen an Bord gekentert. Die meisten waren Teenager auf einem Schulausflug.

Bis zum Samstagnachmittag stieg die Zahl der geborgenen Todesopfer auf 187. Es galten weiter 115 Menschen als vermisst. Nur 174 Menschen hatten gerettet werden können. Seit dem Untergang wurde bei den Tauchgängen zum Wrack kein Überlebender geborgen.

Der Besatzung des Schiffes wurde von Anfang an vorgeworfen, das sinkende Schiff im Stich gelassen zu haben. Bereits wenige Tage nach dem Unglück wurden der 68-jährige Kapitän, die drittes Offizierin und der Steuermann wegen Fahrlässigkeit, Verstoßes gegen das Seerecht sowie anderer Vorwürfe verhaftet.

Die Ursache für das Kentern des Schiffs ist weiter unklar. Die Ermittler gehen menschlichem Versagen wie auch möglichen technischen Fehlern nach. Das Schiff kenterte demnach an der Stelle, wo es einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Untersucht wird unter anderem, ob die Ladung der Auto- und Personenfähre richtig gesichert war. Die Fahrzeuge und Container könnten verrutscht sein, so dass das Schiff in Schieflage geriet.

Die Taucher hätten sich am Samstag weiter auf die Suche in den Kabinen konzentriert, berichteten südkoreanische Sender. Doch werde der Zugang durch die starke Strömung erschwert. Es wird vermutet, dass in den Kabinen die meisten Passagiere eingeschlossen wurden. Am Freitag hatte der US-Sender CNN unter Berufung auf Rettungskräfte berichtet, in einem Raum seien die Leichen von 48 Mädchen entdeckt worden.

Weil die Gefahr besteht, dass Leichen fortgeschwemmt werden, hat der Krisenstab weitere Schiffe eingesetzt. So werde der Suchradius um das Wrack auf 60 Kilometer erweitert, berichtete KBS.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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