Fährunglück der „Norman Atlantic“
Bisher keine deutschen Opfer

Bei dem Fährunglück in der Adria waren mindestens 20 Unbekannte an Bord. Die Behörden suchen aber noch nach Dutzenden, die auf der Passagierliste standen. Mindestens zehn Menschen starben bei dem Unglück.
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Rom/Athen/BerlinZwei Tage nach dem Schiffsunglück in der Adria geht die Suche nach möglichen Opfern weiter. 427 Menschen wurden von der brennenden Fähre „Norman Atlantic“ gerettet - aber von Dutzenden, die auf der Passagierliste standen, ist der Verbleib unklar. Zudem waren offenbar blinde Passagiere an Bord. Die Behörden bestätigten bislang zwölf Tote.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes konnten bislang 17 Deutsche gerettet werden. Bei zwei weiteren Fällen dauerten die Nachforschungen noch an, da die Situation vor Ort noch unübersichtlich sei und die Geretteten erst nach und nach und in verschiedenen Häfen an Land kämen, teilte eine Sprecherin des Außenamtes der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. „Es liegen derzeit keine Hinweise darauf vor, dass Deutsche unter den Opfern dieser Schiffskatastrophe sind.“ Die Bundesregierung danke allen, die in Italien, Griechenland und Albanien an der schwierigen Rettungsmission beteiligt seien.

Nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt wurden auch Menschen gerettet, die nicht auf der ursprünglichen Passagierliste standen. Etwa zwanzig Unbekannte waren unter den Geretteten, wie Miltiadis Varvitsiotis sagte. Griechenland habe eine komplette Liste mit den Namen der geretteten Personen beantragt.

Seit Sonntagmorgen liegt die Leitung des Rettungseinsatzes bei Italien. Zwischen beiden Ländern herrscht Unklarheit über die Zahl der Menschen, die auf der unter italienischer Flagge fahrenden Unglücksfähre waren. Die ursprüngliche Liste mit den Passagieren und Besatzungsmitgliedern enthält 478 Namen. Von diesen wurden nach italienischen Angaben 427 geborgen, mindestens zehn sollen tot sein. Über den Verbleib Dutzender weiterer Menschen herrscht Unklarheit.

Weitere Überlebende des Fährunglücks in der Adria werden in italienischen Häfen erwartet. Die Ankunft des Marineschiffs „San Giorgio“ mit etwa 180 Geretteten an Bord verzögere sich allerdings weiter, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag unter Berufung auf die Küstenwache berichtete.

Das Schiff sei immer noch in der Nähe der havarierten „Norman Atlantic“ vor der albanischen Küste. Eigentlich war das Boot am Morgen in der süditalienischen Stadt Brindisi erwartet worden. Ein weiteres Schiff mit 39 Geretteten soll am Morgen im Hafen von Manfredonia in der Region Apulien einlaufen.

Möglicherweise sind noch Opfer in dem Schiff. Unklar ist auch, wie das Feuer ausbrach. Vermutlich entzündete es sich im Fahrzeugdeck. In Italien ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Gegen wen, ist noch nicht entschieden.

Immer mehr Details über die Zustände bei der Rettung werden bekannt. So klagte ein geretteter Lkw-Fahrer im griechischen Fernsehen, von der Besatzung sei keine Hilfe gekommen. „Es gab keinen Feueralarm, der Rauch hat uns geweckt. Wir mussten Wasser vom Deck trinken und uns mit dem zudecken, was wir gerade finden konnten.“ Auch die Retter hätten sich nicht gekümmert. „Wir waren zwischen Feuer und Wasser und niemand hat geholfen. Sie haben nicht eine Flasche Wasser oder eine Decke für die Kinder abgeworfen, und die waren zum Teil in Unterwäsche. Es war ein schwimmender Vulkan.“

Nach Angaben der Hafenbehörde der albanischen Stadt Vlore starben bei der Bergung zwei Seeleute, als ein zwischen ihrem Schlepper und der Fähre gespanntes Seil riss, nachdem es in die Schiffsschraube geraten war. Beide Opfer sind albanische Staatsbürger.

Geklärt werden muss auch, wohin die „Norman Atlantic“ geschleppt werden soll. Die Fähre gehört zur griechischen Linie Anek Lines, fuhr aber unter italienischer Flagge. Die italienische Reederei La Visemar beauftragte die niederländische Firma Smit mit der Bergung, die schon beim Unglück der „Costa Concordia“ geholfen hatte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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