Fährunglück vor Ägypten
Kapitän verließ als Erster das Schiff

Überlebende des Fährunglücks im Roten Meer haben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung erhoben. Sie habe das Problem heruntergespielt - selbst dann noch, als das Schiff schon starke Schlagseite gehabt habe. Als die Fähre dann plötzlich zu sinken begann, hätten der Kapitän und die Besatzungsmitglieder als Erste das Schiff verlassen und seien in die Rettungsboote gestiegen.

HB SAFAGA. Das Deck sei vom Löschwasser überflutet worden, sagte der dritte Offizier der gesunkenen „Al Salam 98“, Rani Kamal, am Sonntag dem Fernsehsender „Al Arabija“. Dadurch sei die Fähre in Schlagseite geraten und letztlich gesunken.

„Das Autodeck, wo das Feuer ausgebrochen war, wurde überflutet, und das Wasser hat sich auf einer Seite gesammelt“, sagte Kamal. Schließlich sei immer mehr Wasser auf das Deck geströmt und die Fähre allmählich immer stärker in Schlagseite geraten. „Das war der Anfang vom Ende.“ Damit stützte Kamal Berichte von Überlebenden, die ebenfalls von einem Feuer an Bord und einer starken Schlagseite gesprochen hatten.

Der Schiffsoffizier war von der saudiarabischen Küstenwache gerettet worden und liegt in einer Klinik. Er machte keine weiteren Angaben zu den Vorgängen auf dem Schiff, die von Überlebenden als chaotisch und skandalös beschrieben worden waren. Die Passagiere seien im Stich gelassen worden, berichteten einige Überlebende. Beim Untergang des Schiffes in der Nacht zum Freitag sind wahrscheinlich rund 1000 Menschen ertrunken.

Bis Samstag wurden den Behörden zufolge rund 400 Überlebende geborgen. Rund 200 Leichen seien an Land gebracht worden, meldete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Hoffnung für die etwa 800 Vermissten gab es kaum noch.

Die Passagiere hätten dem Kapitän über das Feuer berichtet, das unter Deck ausgebrochen sei, sagte Schahata Ali, ein Überlebender. Er habe aber gesagt, es gebe keinen Anlass zur Sorge. „Wir trugen Schwimmwesten“, fügte Ali hinzu, „sie sagten uns aber, es sei alles in Ordnung, und wir sollten die Schwimmwesten ablegen. Dann nahm die Besatzung uns die Schwimmwesten weg. Als das Schiff zu sinken begann, nahm der Kapitän ein Boot und war verschwunden.“

„Der Kapitän verließ als Erster das Schiff, und wir mussten völlig überrascht mit ansehen, wie das Schiff sank“, sagte Chaled Hassan, ein anderer Überlebender. Ähnlich lauteten die Berichte weiterer Passagiere: „Es gab ein Feuer an Bord, aber die Besatzung hielt die Leute davon ab, die Schwimmwesten anzulegen, damit keine Panik entsteht“, sagte Abdel Rauf Abdel Nabi, der am Samstag im Hafen von Safaga ankam.

Nader Galal Abdel Schafi erzählte: „Es gab ein Feuer unter Deck. Die Besatzung sagte aber, „keine Sorge, wir löschen das. Als es dann wirklich ernst wurde, stieg die Besatzung in die Rettungsboote und ließ uns an Bord zurück.“ Der 34-jährige Rifat Said berichtete: „Die Fähre fuhr noch zwei Stunden mit Schlagseite weiter, dann kenterte sie plötzlich und sank innerhalb von fünf Minuten.

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