Fährunglücks im Roten Meer: Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Fährunglücks im Roten Meer
Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Experten haben drei Tagen nach dem Fährunglück im Roten Meer kaum noch Hoffnung, weitere Überlebende zu finden. Nach offiziellen Angaben waren bis Sontagnachmittag rund 400 Überlebende aus den Fluten gerettet worden. Das Unglücksschiff „Al Salam Boccaccio 98“ war in der Nacht zum Freitag auf dem Weg von Dhiba in Saudi-Arabien nach Ägypten rund 90 Kilometer vor dem Zielhafen Safaga gekentert.

HB KAIRO. An Bord der Fähre befanden sich insgesamt 1 414 Menschen, darunter 1 200 Ägypter und 99 Saudis. Am Sonntag traf in Ägypten ein Ermittler aus Panama ein, weil das Schiff unter der Flagge Panamas fuhr.

In Ägypten begann am Sonntag die Suche nach den Schuldigen. Als Ursache der nächtlichen Tragödie gilt ein Feuer.Besonders brisant sind Vorwürfe von Überlebenden, dass sich die Mannschaft der „Al Salam Boccaccio 98“ nicht genügend um die Passagiere gekümmert habe.Verängstigte Menschen hatten stundenlang auf dem brennenden Schiff ausgeharrt, das seine Fahrt fortsetzte.

Sehr spät lief auch die Rettungsaktion von Land an. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden erst achteinhalb Stunden, nachdem die Fähre im ägyptischen Zielhafen Safaga vermisst worden war, Schiffe losgeschickt, um den Passagieren zu helfen. Überlebende berichtetem, nach Ausbruch des Feuers seien mehr als zehn Stunden bis zum Eintreffen der Rettungskräfte vergangen. Das ägyptische Staatsfernsehen bezeichnete die Rettungsaktion als „gut und schnell“.

Unklar ist das Schicksal des Kapitäns. Passagiere hatten erklärt, er habe als einer der ersten ein Rettungsboot bestiegen. Eine 16 Jahre alte Passagierin aus Saudi-Arabien, die nicht wusste, ob ihre Eltern und zwei Geschwister die Katastrophe überlebt hatten, sagte: „Als klar wurde, dass uns die Besatzung nicht helfen würde, haben wir Schwimmwesten angezogen, Sekunden bevor die Fähre sank.“ Ein Offizier, der das Unglück überlebte, sagte dem ägyptischen Generalstaatsanwalt Maher Abdul Wahid, die Besatzung habe zum Löschen des Brandes, der eineinhalb Stunden nach Beginn der Reise ausgebrochen war, viel Meerwasser an Bord geholt. Das Gewicht des Wassers habe das Schiff möglicherweise zum Kentern gebracht. Die Fähre soll durch frühere Umbauen instabiler geworden sein. In Italien geriet die Lizenzierungs-Gesellschaft RINA in die Kritik. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft dem Schiff „Al Salam Boccaccio 98“, das 1970 in Italien gebaut und 1998 nach Ägypten verkauft worden war, ein Sicherheitszertifikat ausgestellt.

Die RINA hatte auch den im Dezember 1999 vor Frankreich zerborstenen Öltanker „Erika“ geprüft und zertifiziert.

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