Fahndungspanne
Phantom-Mörderin hat nie existiert

Nach der langen Suche der Polizei nach dem Phantom von Heilbronn steht nun definitiv fest: Die Gen-Spuren vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor eineinhalb Jahren stammten nicht von einem Tatbeteiligten, sondern von einer anderen Frau.

HB STUTTGART. Die DNA sei einer Arbeiterin eines Verpackungsbetriebs in Bayern zuzuordnen, erklärte der Präsident des baden-württembergischen Landeskriminalamts, Klaus Hiller. Auf der Suche nach der Herkunft der DNA-Spur des Phantoms hatte die Polizei Speichelproben bei den Mitarbeitern eines bayerischen Plastikherstellers genommen. Zuvor war bekannt geworden, dass die DNA-Spur eventuell von einer Verunreinigung auf Wattestäbchen der Ermittler anstatt von der vermeintlichen Täterin stamme könnte.

Schuld an der Wattestäbchen-Affäre ist nach Ansicht der Herstellerfirma die Polizei. "Die Polizei hat nie gefragt, ob das Besteck für DNA-Tests geeignet ist", sagte der Geschäftsführer der Greiner Bio-One GmbH, Heinz Schmid, am Freitag in Frickenhausen (Kreis Esslingen). Die Wattestäbchen seien nicht für polizeiliche Ermittlungen gedacht. Dies gehe eindeutig aus der Gebrauchsanweisung hervor, erklärte der Forschungsleiter Günther Knebel.

"Es kann nicht sein, dass die Polizei ihre Wattestäbchen in der Drogerie holt", kritisierte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack. Zugleich warnte er davor, die DNA-Analyse zu verteufeln. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) muss aus Sicht der SPD-Opposition für die Panne die Verantwortung übernehmen. Wenn die Polizei aus Sparsamkeit unsicheres Analysematerial zur Spurensicherung eingesetzt habe, "kommt der Innenminister in Erklärungsnot", sagte SPD - Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel.

Das Bundeskriminalamt (BKA) kündigte an, künftig bessere Mittel bei der Spurensicherung einzusetzen. Die Wattestäbchen seien zwar "medizinisch steril"; es gebe aber spezielle Verfahren, um das Material noch steriler zu machen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im Deutschlandfunk. Dass es Fehlverurteilungen aufgrund von DNA-Analysen gegeben haben könnte, schloss er aus: "Die DNA-Analyse ist ein taugliches Beweismittel."

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass die an Dutzenden Tatorten gefundenen DNA-Spuren des "Phantoms" vermutlich nicht von einer Serienverbrecherin stammen, sondern eher auf Verunreinigungen von Wattestäbchen der Spurensicherung zurückgehen. Das "Phantom", die "Frau ohne Gesicht", wurde mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht, darunter mit dem Mord an einer Polizistin im April 2007 in Heilbronn.

Weil die Firma Greiner Bio-One GmbH ihre Wattestäbchen bundesweit vertrieben hat, berieten die Landeskriminalämter (LKA) der Bundesländer in einer Krisensitzung über die Konsequenzen der Panne. LKA-Experten suchten in der Wattestäbchenfirma nach der Quelle einer möglichen Verunreinigung und ließen sich den Produktionsablauf erklären. Die laut Forschungsleiter Knebel "unter anderem in China und Ägypten" geerntete Baumwolle werde von einem Lübecker Importeur an eine bayerische Firma verkauft. Diese setze die Wolle auf Trägerstäbchen und verkaufe das Produkt an die Greiner Bio-One GmbH, welche die Abstrichgläschen schließlich an die Kunden vertreibe.

Bei Ernte und Verpackung könne trotz bakerieller Sterilisation der Stäbchen eine Verunreinigung mit DNA-Spuren entstanden sein, hieß es weiter. Zu den Kunden zählen neben dem baden-württembergischen Landeskriminalamt auch das bayerische LKA und Ermittler in Österreich. Insgesamt sind laut Schätzungen von Geschäftsführer Schmid rund 20 000 Stäbchen pro Jahr geliefert worden. Die Ermittler zählen "mindestens seit 2001" zu den Kunden des Unternehmens. Die ersten Ergebnisse der Proben der Mitarbeiter erwartet das Landeskriminalamt Stuttgart Anfang der kommenden Woche.

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