Fahrradfahren in London
„Nur“ 13 Todesfälle im letzten Jahr

Erstmals sind Todesfälle und Verletzungen unter Fahrradfahrern in London gesunken. Laut Aktivisten ist die Unfallstatisktik aber dennoch „inakzeptabel hoch“. Der Bürgermeister setzt auf neue „Cycle Superhighways“.
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Strubbelige blonde Haare, ein abgetragener Rucksack auf dem Rücken und ein Fahrradhelm in der Hand, zuletzt in knallgrün – so lässt sich Boris Johnson, Londons Bürgermeister, gerne fotografieren. Und so unterstreicht er gerne die Botschaft, für die er seit seinem Amtsantritt 2008 steht: Johnson will die Stadt für Menschen auf zwei Rädern sicherer machen.

Er ist im vergangenen Jahr dabei offenbar ein Stück vorangekommen, wie neue Statistiken zeigen. Allerdings reicht das noch lange nicht. So ist die Zahl der tödlich verunglückten und schwer verletzten Fahrradfahrer 2014 auf 432 gefallen – ein Rückgang von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie jetzt veröffentlichte Zahlen des Nahverkehrsbetreibers Transport for London (TfL) zeigen. Darunter waren 13 Todesfälle, ein Fall weniger als im Jahr zuvor.

Gleichzeitig sind so viele Fahrradfahrer auf Londons Straßen unterwegs wie noch nie. Täglich gibt es 610.000 Fahrten. Das ist laut TfL ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. „Diese Zahlen sind ungemein motivierend“, sagte Johnson , „und sie werden noch mehr Menschen das Selbstvertrauen geben, aufs Rad zu steigen.“

Organisationen, die sich für mehr Fahrradwege und bessere Bedingungen in Londons Verkehr stark machen wie die London Cycling Campaign sehen das bei weitem nicht so positiv. Sie halten die Zahl der Todesfälle noch immer für „inakzeptabel hoch“. So ist diese Woche eine Fahrradfahrerin tödlich in der britischen Hauptstadt verunglückt, was die Zahl der Todesfälle auf sechs erhöht.

Fahrradaktivisten kritisieren auch den aufsteigenden Trend bei Unfällen mit leichten Verletzungen. So ist diese Zahl im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 4.714 gestiegen. Londons Bürgermeister räumte daher ein: „Ja, wir müssen noch mehr tun.“

Dazu gehört etwa sein Vorhaben, den Bau von Fahrradschnellstraßen, den so genannten „Cycle Superhighways“, voranzutreiben. Für zwei besonders wichtige Trassen, die den Norden und Süden der Stadt verbinden sowie den Osten und Westen, hat er im Frühjahr den Startschuss gegeben. Umgerechnet mehr als 200 Millionen Euro lässt er sich das Projekt kosten.

Was Fahrradfahren in London bisher im Vergleich zu Städten wie etwa Amsterdam und Kopenhagen deutlich unangenehmer macht, ist der Mangel an Fahrradwegen. Häufig teilen sich Radler die Straße mit Bussen und Lastwagen, Taxis und allen anderen Autos. Dennoch hat die Zahl der täglichen Fahrradfahrten sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Der Anteil derer, die auf ihren zwei Rädern zur Arbeit fahren, liegt mit zwei Prozent aber im Durchschnitt noch vergleichsweise niedrig. Nur in Stadtteilen wie Hackney im Osten von London leben mehr Menschen, die mit dem Rad zum Job pendeln. Dort sind es neun Prozent.

In Amsterdam fällt die Zahl mit mehr als 40 Prozent aber deutlich höher aus. In Kopenhagen liegt der Anteil bei mehr als 30 Prozent.

Die Cycle Superhighways in London sollen das Radfahren sicherer machen, indem sie Radler stärker von Autos und Lastwagen abtrennen. Dafür werden auch etliche Kreuzungen neu gestaltet und einige Parkplätze abgeschafft, um Platz für die Fahrradschnellstraßen zu schaffen. Auch andere Städte wie etwa New York haben in den vergangenen Jahren ähnliche Pläne verwirklicht, um attraktiver für Radfahrer zu werden – vor allem für die weiblichen und die älteren Radler. Dasselbe Ziel verfolgt Londons Bürgermeister, denn das Gros der Radfahrer in der britischen Hauptstadt sind bisher jüngere Männer.

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