Fahrscheine, bitte!
Der Kontrolleur hat's schwer

Unterwegs mit „Fahrausweisprüfern“: Die Männer und Frauen im Auftrag der Verkehrsverbünde müssen Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen zugleich an den Tag legen. Aus dem Alltag der Kontrolleure.
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DüsseldorfRalf und Ralf sind ein eingespieltes Team. Die beiden Männer warten an einem Freitagmorgen im August an der Haltestelle Wersten in Düsseldorf auf die Stadtbahn. Als sie einfährt, steigt der eine in den vorderen Teil des Waggons, der andere in den hinteren. Drinnen schauen sich Ralf und Ralf kurz um - und kurz an. Dann zücken sie ihre Lesegeräte. „Guten Tag, die Fahrscheine bitte“, sagen sie routiniert. Die Menschen in der Bahn fangen an, in ihren Taschen zu kramen und zeigen ihre Tickets. Als sich die Kontrolleure in der Mitte des Waggons treffen, sagt der ältere Ralf: „Alle nett, alle brav.“ Keinen Schwarzfahrer ertappt.

Das ändert sich im Laufe des Tages, der die beiden Fahrkartenkontrolleure quer durch Düsseldorf und die angrenzenden Kreise führt. Am Ende ihrer achtstündigen Schicht haben Ralf Klippel (55) und Ralf Ritterskamp (53) sechs Menschen ohne gültigen Fahrschein angetroffen. „Es ist selten, dass wir an einem Tag mal gar keinen erwischen“, sagt Klippel.

„Die Kontrolleure sind nicht zum Erwischen da, sondern dazu, die Zahlungsmoral aufrecht zu erhalten“, betont Pressesprecher Eckhard Lander von der Düsseldorfer Rheinbahn. Korrekt laute die Berufsbezeichnung „Fahrausweisprüfer“. Das sagt natürlich kein Mensch. In Berlin etwa werden Kontrolleure „Kontrollettis“ genannt. Auch Klippel und Ritterskamp wissen, was die Leute in ihnen sehen: Zwei Männer, die sie kontrollieren wollen. Mit geschultem Blick sieht man Klippel und Ritterskamp das auch an - auch wenn sie meist in Zivil kontrollieren.

Die zwei Rheinländer erfüllen nämlich auf Anhieb fünf Kriterien aus einem Internetblog, der erklärt, wie man Kontrolleure erkennt. Erstens: Sie haben nichts dabei - keine Tasche, keinen Schirm, nicht mal eine Zeitung. Zweitens: Sie haben einen coolen, lässig-gelangweilten Blick. Drittens: Sie setzen sich so gut wie nie hin. Viertens: Sie steigen getrennt ein. Fünftens: Sie werfen sich möglichst unauffällig Blicke zu. Die aber fallen dem routinierten Schwarzfahrer natürlich sofort auf - er hält schließlich stets Ausschau nach seinem „Feind“.

„Ich will mich gar nicht tarnen. Ich bin ja nicht auf Verbrecherjagd“, sagt Ritterskamp und lacht. Der Mann mit der tiefen Stimme trägt sein Lesegerät in der Innentasche seiner olivgrünen Jacke. Seit sechs Jahren kontrolliert der 53-Jährige Fahrscheine, davor hat er Busse gefahren. Sein Kollege Klippel ist seit zehn Jahren Kontrolleur, auch er war zuvor Busfahrer. Die zwei haben oft zusammen Schichten. „Wir sind schon stadtbekannt“, erzählt Klippel, der sein Lesegerät in seiner beigen Westentasche trägt. In all den Jahren hatten die beiden Ralfs viele Stammkunden.

Zum Beispiel den Graf mit den sieben Vornamen. „Das hat immer gedauert, die alle abzuschreiben“, erzählt Ritterskamp. Der adlige Herr hatte so gut wie nie einen Fahrschein. Genauso wenig wie der Rentner aus Hilden, der bis heute regelmäßig aus dem Altersheim ausbricht, um im Bademantel mit dem Bus zur Schule zu fahren. „Ich bin der Oberstudienrat! Ich muss zu meinen Schülern!“, erzähle der pensionierte Lehrer dann immer aufgeregt. „Manche Fahrgäste sind halt verwirrt“, meint Ritterskamp.

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Die Ausreden gehen Schwarzfahrern nie aus

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