Fahrschultourismus nach Holland
Führerschein ohne Idiotentest

Es ist ein offenes Geheimnis: Deutsche Autofahrer, die ihren Führerschein verloren haben und in ihrer Heimat keinen neuen mehr beantragen können oder wollen, können ihre Prüfung in den Niederlanden ablegen. Denn unsere westlichen Nachbarn, haben keine medizinisch - psychologische Untersuchung - der bei uns auch liebevoll Idiotentest genannt wird. Eine Handhabe dagegen haben die deutschen Behörden kaum.

HB DEN HAAG. Offiziell redet niemand gern darüber. Auf zwischen „ein paar Dutzend“ im Jahr und „einigen hundert“ wird die Zahl der deutschen Fahrschüler vor allem im Drei-Länder-Eck von Deutschland, den Niederlanden und Belgien geschätzt. Bei den niederländischen Fahrschulen schweigt man lieber und räumt allenfalls ein, auch deutsche Kunden zu haben.

Sprecher amtlicher Examens- und Prüfungsbehörden verweisen gern auf bürokratische Bestimmungen: „Wir haben keinerlei Rechtshandhabe, jemanden von einer Prüfung auszuschließen, wenn die hier gültigen Voraussetzungen erfüllt sind“, sagt etwa die Sprecherin für die Prüfer im grenznahen Süden der Niederlande. Danach müssen die Prüflinge mindestens 18 Jahre alt sein, einen Gesundheitsfragebogen selbst - und ohne ärztliche Kontrolle - zur amtlichen Zufriedenheit ausgefüllt sowie einen Aufenthalt von mindestens 185 Tagen im Land nachgewiesen haben. Ob der Minimum-Aufenthalt physisch stattgefunden hat, prüft niemand. Wichtig ist nur, dass eine Adresse existiert.

Die Nationalität der Bewerber wird nicht registriert. Aber auf Wunsch sorgen die Prüfer auch dafür, dass möglichst ein Fahrprüfer mit deutschen Sprachkenntnissen zur Verfügung steht. In der Provinz Limburg sind Deutsch sprechende nicht schwer zu finden. Oft wollen deutsche Fahrschüler im Nachbarland die medizinisch- psychologische Untersuchung - den so genannten Idiotentest - umgehen. Inoffiziell fällt schon auf, dass Bewerber mit deutschen Namen häufig deutlich älter sind als der typische niederländische Neuling hinter dem Autosteuer im Alter um die 20. „Aber deutsche Namen sind hier häufig“, heißt es etwa in der Gemeinde Geleen, wo die meisten Fahrschulexamen in diesem Gebiet abgenommen werden. Und wenn die Prüflinge Theorie und Fahrpraxis einwandfrei bewältigt haben, können sie bei der Gemeinde ihren Führerschein abholen, wie alle anderen auch.

„Deutschland will uns keine Auskunft geben, ob ein Prüfling in seiner Heimat schon einmal seinen Führerschein abgeben musste oder nicht“, sagt in Den Haag eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Auf entsprechende Den Haager Anfragen habe man mit dem Hinweis auf Datenschutz reagiert. „Es ist nicht unser Problem“, meint sie dazu achselzuckend. Aber das Problem taucht immer wieder auf. Wann es zu einer EU-einheitlichen Regelung der Führerscheinprüfungen kommt, weiß sie auch nicht.

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